Kreisgalerie

Aktuelle Ausstellung

Von Kränen und Heiligen
Roland Kappel


Die Kreisgalerie Schloss Meßkirch zeigt ab 8. März 2020 unter dem Titel „Von Kränen und Heiligen“ eine Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers Roland Kappel (geb. 1949). 

Baumis'on RK
Roland Kappel wurde 1949 in Reutlingen geboren. Nach den ersten Jahren in einem Heim für Kinder – er lernte seine Eltern nie kennen – kam er im Jahr 1956 in das Heilerziehungsheim nach Mariaberg auf der Schwäbischen Alb. Seither lebt und arbeitet er an diesem Ort, der ihm Heimat geworden ist. Schon früh werden seine handwerklichen Fähigkeiten entdeckt und gefördert. Er beginnt nach exakten Zeichnungen aus dem Gedächtnis heraus Baumaschinen en miniature zu konstruieren und stellt diese unter den Begriff “Baumis´on RK“.
 
Roland Kappel ist Autodidakt, weil er keine Kunsthochschule besuchte. Er ist aber kein Amateur, weil er mit größtmöglicher Leidenschaft und Ernsthaftigkeit seiner Arbeit nachgeht. Seine Professionalität besteht darin, dass er mit äußerster Beharrlichkeit ein künstlerisches Konzept verfolgt, das im großen Kreis der Kunstschaffenden überaus solitär in Erscheinung tritt. Die "Baumis´on RK" umfasst gleichsam die Existenz des Künstlers. Sie bedeutet für ihn eine Passion, die er internalisierte und die ihn wohl zeit seines Lebens nicht mehr loslassen wird.
 
Verwandlung von Materie in Sinnlichkeit
Akribisch ist er stets auf der Suche nach Vorbildern und Materialien, die er verwenden kann, um seine beweglichen Bau-Kräne und seine diversen Bau-Maschinen im Modell nachzubilden. Dabei geht er nicht willkürlich vor. Er ist regelmäßig in der näheren Umgebung seines Wohnortes unterwegs, um solche Vehikel auf Baustellen ausfindig zu machen, sie zu studieren, ihre Technik und Ausstrahlung. Dann erst entstehen diverse Entwurfszeichnungen, mit Hilfe derer er sich an die detailgenaue Ausführung macht. Was aber letztlich entsteht, ist nicht die realitätsnahe Wiedergabe des Originals, sondern die im Modell abstrahierte Erinnerung an das zuvor Gesehene und Studierte. Schon das zur Verwendung kommende Material lässt eine Eins zu Eins-Übertragung überhaupt nicht zu. Es sind stets gebrauchte Stoffe, Bleche, Drähte, Seile und Reste aus der mechanischen Produktion. Roland Kappel bearbeitet diese „Objets trouvés“ zum zweiten Mal, bringt sie präzise in eine neue Form, die nur noch vage an ihre ursprüngliche Verwendung erinnert, und macht so seine mobilen Geräte zu lebendigen Skulpturen. In einem kontrollierten und dennoch magischen Akt verwandelt Kappel Materie in Sinnlichkeit.
 
Parallel zu den Baumaschinen widmet sich Kappel als gläubiger Mensch religiösen Themen. So entstehen Heiligendarstellungen voller Andacht und kindlicher Naivität. Als großer Freund des Barock faszinieren ihn entsprechende Kirchenarchitektur, Musik und an Putten erinnernde Figuren, die in farbenfrohen Bilddokumenten ihren authentischen Ausdruck finden.
 
Im Kleinen das Große sichtbar machen
Roland Kappel lebt bis heute in einem geschützten Raum, wird begleitet und gefördert. Das wiederum bedeutet für ihn keine Einschränkung von Freiheit, sondern es ermöglicht ihm, die Flügel seiner Einbildungskraft weit auszubreiten, eine neue Gegenwart zu erschaffen, die im Kleinen das Große sichtbar, im Einzelnen das Ganze erlebbar macht. Denn Bau-Maschinen bewegen und verändern die Welt, können zivilisatorisch wirken und zerstörerisch. Diese Maschinen und die, die sie bedienen, setzen Pläne und Projekte um, die häufig irreparabel in die Natur eingreifen und im besten Fall neue Ästhetik, viel öfter aber neue Hässlichkeiten schaffen. Kappels Skulpturen rufen auch diesen Sachverhalt in Erinnerung, werden so Chiffren dafür, wie sehr das Primat des Zweckmäßigen die Welt bedroht.
Jürgen Knubben 

Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung


Daueraustellung

Integriert in das Kultur- und Museumszentrum Schloss Meßkirch hat seit März 2006 im Südflügel der Schlossanlage auf zwei Etagen und einer Gesamtfläche von ca. 450 qm die Kreisgalerie Schloss Meßkirch ihren Standort gefunden. Die Dauerausstellung im Erdgeschoss birgt in sechs Abteilungen ausgewählte Werke aus der Kunstsammlung des Landkreises Sigmaringen mit einer Bandbreite von der gotischen Plastik und barocken Altartafelbildern bis zu Werken zeitgenössischer Kunstschaffender. Die seit den 1980er Jahren unter qualitativen Gesichtspunkten aufgebaute Kreiskunstsammlung versteht sich als Dokumentation des kreisweiten und regionalen Kunstschaffens in seiner historischen wie gegenwärtigen Vielfalt.

Sammlungsschwerpunkte

Ihr besonderes Profil gewinnen Kunstsammlung und Kreisgalerie durch drei Sammlungsschwerpunkte: Der aus Mengen stammende Kubist und Pionier des modernen Holzschnitts Gottfried Graf (1881 – 1938) ist neben Ölbildern und Aquarellen mit einem breiten Querschnitt von Holzschnitten und Radierungen vertreten. Zu dem in Sigmaringendorf aufgewachsenen Bildhauer Anton Hiller (1893 – 1985) kann die Kreisgalerie neben Bildhauerzeichnungen eine dichte Abfolge von Bronze- und Holzplastiken vorweisen, die die spannende Entwicklung dieses Künstlers über nahezu 50 Jahre von figürlichen Anfängen bis hin zu einer weitreichenden Reduzierung und Vereinfachung von Form und Ausdruck im Alterswerk demonstrieren. Dem in Herkunft und Jugend eng mit Sigmaringen und dem oberen Donautal verbundenen Maler Albert Birkle (1900 – 1986) ist ein dritter Sammlungsschwerpunkt gewidmet, der neben Ansichten der heimischen Landschaft ausgewählte Werke im Stil des expressiven Realismus aus seiner wichtigsten Schaffensperiode in den 1920er Jahren enthält.

Wechselausstellungen

Der Sonderausstellungsbereich im Obergeschoss der Kreisgalerie versteht sich als Forum für die regionale und zumal die zeitgenössische Kunst. In den hohen und lichten Räumen, die bei Bedarf um ein benachbartes Turmzimmer erweitert werden können, werden jährlich vier bis fünf Wechselausstellungen gezeigt. Die Bandbreite reicht dabei von Einzelausstellungen, zumeist in Verbindung mit „runden“ Geburtstagen arrivierter Künstler aus Landkreis und Region, über jurierte Kreiskunstausstellungen und Gruppenausstellungen mit thematischem Zuschnitt bis hin zur Präsentation von Fotoarbeiten, historischer Druckgrafik oder auch von „Schätzen“ der regionalen Archäologie.

Weitere Informationen

Homepage des Schloss Meßkirch