Kreisgalerie

Aktuelle Ausstellung

Künstler-Nachbarschaften I
Gerhard Berger und Yongbo Zhao


Die Kreisgalerie Schloss Meßkirch spürt in ihrer neuen Ausstellungsreihe „Künstler-Nachbarschaften“ ästhetischen Berührungen und inhaltlichen Beeinflussungen in Werken befreundeter und sich austauschender Künstler nach. Vom 23. Juni bis 13. Oktober 2019 eröffnen Gerhard Berger und sein Atelier-Nachbar Yongbo Zhao diese Reihe mit einer gemeinsamen Ausstellung.

Gerhard Berger
Gerhard Berger, geboren in Solothurn, verbringt seine Jugend in Laiz bei Sigmaringen und bleibt der Region seither eng verbunden. Bereits in frühester Kindheit gilt seine Leidenschaft dem Zeichnen und Malen. Er beginnt 1947 eine Ausbildung als Schriftsetzer in der Liehnerschen Hofbuchdruckerei in Sigmaringen. Seine Affinität zum Holzschnitt begeistert ihn nicht nur für den Werbedruck, sondern immer mehr für die freie Gestaltung. Er bleibt als Typograf in Sigmaringen, bis er 1953 an die Münchner Akademie der Bildenden Künste wechselt, an der Josef Henselmann, ebenfalls aus Laiz, sein Talent fördert und ihn mit der Einrichtung und Leitung einer Studienwerkstatt für Typografie und Holzschnitt betraut. 1975 übernimmt Gerhard Berger einen Lehrstuhl, den er, teils als Prorektor der Akademie, bis 1999 entscheidend prägt. In veränderter Form der Lehre öffnet er die Klassen für übergreifende Projektgruppen und verschafft den Studierenden Zugang zu den Neuen Medien. Professor und Studierende gestalten in enger Zusammenarbeit, kontinuierlich und in frischer, mitunter revolutionärer Gesinnung, die Zukunft mit.

Yongbo Zhao
Yongbo Zhao bringt eine revolutionäre, kritische Einstellung an die Akademie der Bildenden Künste in München bereits mit, als er 1991 in die Klasse von Robin Page aufgenommen wird. 1964 in der Provinz Jilin in der Mandschurei in der Volksrepublik China geboren, nutzt er seine frühe Leidenschaft für das Zeichnen und Malen, um sich, in einem Alltag politischer Unsicherheit während der Kulturrevolution, einer persönlichen Weltsicht zu vergewissern. Als Ausnahmetalent studiert er ab 1982 an der Universität in Changchun und lehrt ab 1986 abendländische Malerei und Kunstgeschichte. Mit 26 Jahren erhält er den ersten Preis der „Allchinesischen Kunstausstellung zu Ehren des 60. Geburtstages der Volksbefreiungsarmee“ im National Art Museum of China in Peking. Obwohl, oder vielleicht gerade weil er bereits eine Professur in China innehat, 1990 in das „Große Lexikon Bildender Künstler Chinas der Gegenwart“ aufgenommen und zur Internationalen Asien-Europa-Biennale in die Türkei entsandt wird, zieht ihn die westliche Kunst immer mehr in den Bann – und er entschließt sich, China zu verlassen. Nach abenteuerlicher Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn kann er endlich seine europäischen Meister im Original studieren. 1994 erfolgt ein erster künstlerischer Durchbruch seiner eigenwillig anarchischen Malerei, worauf beachtliche internationale Ausstellungen folgen. Obwohl er regelmäßig nach China reist, um als Gastprofessor an Universitäten zu unterrichten, ist Yongbo Zhaos neue Heimat Bayern geworden.

Miteinander im Dialog
Gerhard Berger und Yongbo Zhao pflegen durch direkte Atelier-Nachbarschaft seit 1998 in der Münchner Künstlerkolonie DomagkAteliers sowie ihre Künstlerfreundschaft aus Akademie-Tagen einen beständigen Austausch. Geht es um künstlerische Diskussionen, Bewertungen oder konkrete Form-, Farb- oder Kompositionsfragen, holt man den Nachbarn einfach schnell mal herüber.
 
Zunächst empfindet man die Werke beider Künstler als beinahe entgegengesetzt in ihrem ästhetischen Ausdruck, erst bei näherem Hinsehen zeigt sich eine Seelen-Verwandtschaft in gemeinsamen Motiven und deren Symbolgehalt, ohne dass die jeweils eigene Bildsprache an Autonomie verlieren würde. So arbeitet Gerhard Berger abstrakt figurativ, und der Betrachter muss sich die Übersetzung des Inhalts in seine kombinatorische Formensprache selbsttätig erschließen. Yongbo Zhao dagegen setzt auf einen virtuosen altmeisterlichen Erzählstil, der seine Allegorien in überschäumender Verfremdung dem Betrachter provokativ vor Augen führt. Das gemeinsame Motiv des künstlerischen Anliegens ist jedoch der Mensch als Gefangener im Lebensraum von Macht und Ohnmacht. Die gegenseitige hohe Wertschätzung und Anerkennung ihres jeweils eigenen Werkes trieb die beiden nie in Rivalitäten, wie so oft in der Künstlergeschichte, sondern förderte eine Offenheit. So folgen sie der Idee von Gleichgesinnten in künstlerischem Austausch, wie dies vor allem beim Aufbruch der Avantgarde zu beobachten war, um gemeinsam einem aktuellen Anliegen bildlichen Ausdruck zu verleihen.
 
Dr. Agathe Schmiddunser

Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung


Daueraustellung

Integriert in das Kultur- und Museumszentrum Schloss Meßkirch hat seit März 2006 im Südflügel der Schlossanlage auf zwei Etagen und einer Gesamtfläche von ca. 450 qm die Kreisgalerie Schloss Meßkirch ihren Standort gefunden. Die Dauerausstellung im Erdgeschoss birgt in sechs Abteilungen ausgewählte Werke aus der Kunstsammlung des Landkreises Sigmaringen mit einer Bandbreite von der gotischen Plastik und barocken Altartafelbildern bis zu Werken zeitgenössischer Kunstschaffender. Die seit den 1980er Jahren unter qualitativen Gesichtspunkten aufgebaute Kreiskunstsammlung versteht sich als Dokumentation des kreisweiten und regionalen Kunstschaffens in seiner historischen wie gegenwärtigen Vielfalt.

Sammlungsschwerpunkte

Ihr besonderes Profil gewinnen Kunstsammlung und Kreisgalerie durch drei Sammlungsschwerpunkte: Der aus Mengen stammende Kubist und Pionier des modernen Holzschnitts Gottfried Graf (1881 – 1938) ist neben Ölbildern und Aquarellen mit einem breiten Querschnitt von Holzschnitten und Radierungen vertreten. Zu dem in Sigmaringendorf aufgewachsenen Bildhauer Anton Hiller (1893 – 1985) kann die Kreisgalerie neben Bildhauerzeichnungen eine dichte Abfolge von Bronze- und Holzplastiken vorweisen, die die spannende Entwicklung dieses Künstlers über nahezu 50 Jahre von figürlichen Anfängen bis hin zu einer weitreichenden Reduzierung und Vereinfachung von Form und Ausdruck im Alterswerk demonstrieren. Dem in Herkunft und Jugend eng mit Sigmaringen und dem oberen Donautal verbundenen Maler Albert Birkle (1900 – 1986) ist ein dritter Sammlungsschwerpunkt gewidmet, der neben Ansichten der heimischen Landschaft ausgewählte Werke im Stil des expressiven Realismus aus seiner wichtigsten Schaffensperiode in den 1920er Jahren enthält.

Wechselausstellungen

Der Sonderausstellungsbereich im Obergeschoss der Kreisgalerie versteht sich als Forum für die regionale und zumal die zeitgenössische Kunst. In den hohen und lichten Räumen, die bei Bedarf um ein benachbartes Turmzimmer erweitert werden können, werden jährlich vier bis fünf Wechselausstellungen gezeigt. Die Bandbreite reicht dabei von Einzelausstellungen, zumeist in Verbindung mit „runden“ Geburtstagen arrivierter Künstler aus Landkreis und Region, über jurierte Kreiskunstausstellungen und Gruppenausstellungen mit thematischem Zuschnitt bis hin zur Präsentation von Fotoarbeiten, historischer Druckgrafik oder auch von „Schätzen“ der regionalen Archäologie.

Weitere Informationen

Homepage des Schloss Meßkirch