Kreisgalerie

Aktuelle Ausstellung

Die Welt als Narrenschiff
Lothar Rohrer und Monika Spiller-Hellerau


Die Kreisgalerie Schloss Meßkirch zeigt ab 3. November 2019 unter dem Titel „Die Welt als Narrenschiff“ eine Ausstellung mit Arbeiten der Maler Lothar Rohrer (1905-1985) und Monika Spiller-Hellerau (geb. 1946). Thema der zwischen Expression und Surrealismus changierenden Kunstwerke Rohrers sind die Sehnsucht des Menschen nach Glück und sein Scheitern an der eigenen Verführbarkeit, an seiner Verblendung und Unzulänglichkeit, mithin an seiner Narrheit. Monika Spiller-Hellerau bietet mit ihrer Kontrastierung von Mensch und Tier ein Kaleidoskop menschlicher Selbstgefälligkeit und letztlich ebenfalls der Narrheit.

Lothar Rohrer: Narrenschiff, 1939, (Vorlage: Kreisgalerie Schloss Meßkirch)
Lothar Rohrer: Narrenschiff, 1939 (Vorlage: Kreisgalerie Schloss Meßkirch)


LOTHAR ROHRER

Lothar Rohrer hat erst in seinen späten Jahren als „Fasnachtsmaler“ regional einige Bekanntheit und sogar Popularität erlangt, obwohl er sich selber nie als Fasnachtsmaler gesehen und sich gegen eine solche Etikettierung sogar heftig gewehrt hat. Ihm ging es vielmehr um die Darstellung menschlicher Narrheit. Die schwäbisch-alemannische Fasnacht lieferte dem Künstler hierbei zunächst eher äußerliche Motive und Versatzstücke für seine ureigenen Bildfindungen. Rohrers Themen kreisen um die Sehnsucht des Menschen nach Glück, um seine Verletzlichkeit und Verführbarkeit, seine Verblendung, sein Scheitern an der eigenen Unzulänglichkeit, mithin an seiner Narrheit.  

Produktive Jahre in Meßkirch und Radolfzell
1905 in Ettlingen geboren, wuchs Lothar Rohrer in Heidelberg in einer geistig und künstlerisch anregenden Umgebung auf. Nach dem Studium an der Landeskunstschule in Karlsruhe und an der Kunstakademie in Berlin reifte Rohrers Entschluss, wie schon sein Vater Zeichenlehrer zu werden. Auf Tätigkeiten an den Gymnasien in Karlsruhe, Schlossschule Salem, Ettlingen, Pforzheim, Konstanz und Singen folgte 1949 Rohrers  Versetzung nach Meßkirch, der Heimatstadt seiner Frau, die hier bereits seit Kriegsbeginn wieder mit den Kindern wohnte. Die Meßkircher Jahre markieren den Beginn einer umfangreichen künstlerischen Tätigkeit. 1954 wechselte Rohrer schließlich nach Radolfzell, wo er vier Jahre später ein Eigenheim mit Seeblick errichten konnte. Nach der Versetzung in den Ruhestand blieb Rohrer bis zuletzt künstlerisch produktiv; er starb 1985 kurz vor seinem 80. Geburtstag.

Pessimistischer Blick auf das Tollhaus der Welt
Ausgehend von einer stilistischen Nähe zur Kunst der Neuen Sachlichkeit fand der junge Künstler, dessen Hauptbegabung auf grafischem Gebiet lag, recht bald zu einer eigenen und unverwechselbaren Bildsprache, die stark beeinflusst war vom Surrealismus Salvador Dalis. Dem Diktat der abstrakten Malerei hat sich Rohrer nie unterworfen, freilich zu dem Preis, dass seine Arbeiten auf dem Kunstmarkt wenig gefragt waren.
In seinen Bildern artikulierte er  seine Sorgen und Ängste, seine Einsamkeit, aber auch seine Freuden und Sehnsüchte. Nicht selten schlug hierbei ein pessimistischer Blick auf seine Mitmenschen durch, denen er gern den Spiegel vorhielt. Die Welt erscheint in diesen Bildern oft als bedrohlich und chaotisch, als ein Tollhaus, deren Bewohner in aberwitzigen Umzügen lächerlichen Götzen nachlaufen. Immer wieder erscheinen negativ gezeichnete Träger von Macht und Würde und Massen von Unterwürfigen oder Verführten. Alle surrealistischen Bilder Rohrers beruhen nach eigener Aussage auf konkreten Erlebnissen, die er in künstlerischer Freiheit verarbeitet hat.
Auch in seinen Fasnachtsbildern zeigt uns Rohrer nie ein reales Geschehen. Es sind unwirkliche Szenarien an der Grenze zur Surrealität mit Narren, die wie Getriebene wirken in ihrer kollektiven rauschhaften Ekstase. Und dort, wo Rohrer nicht närrische Menschen, sondern Fasnachtsnarren darstellt, liegt über seinen Bildern häufig eine seltsame Schwermut und Melancholie. Hier begegnen uns Narren von einer sanften Traurigkeit, die marionettenhaft wie Schauspieler ihrer selbst und der eigenen Narrheit zu agieren scheinen. Reale närrische Welt und Fasnachtswelt – die Grenzen verschwimmen. Die Welt ist ein Narrenschiff – und die Fasnacht vielleicht ein lichter Moment menschlicher Selbsterkenntnis. 

MONIKA SPILLER-HELLERAU

Kaleidoskop menschlicher Selbstgefälligkeit
Einen ebenfalls nicht immer freundlichen Blick auf ihre Mitmenschen wirft die 1946 in Hellerau bei Dresden geborene Monika Spiller-Hellerau in ihrem Bilderzyklus „Menschen und Tiere“. Die seit 1991 in Südwestdeutschland ansässige Künstlerin (und Kunsthistorikerin) erweist sich in ihren jüngsten Arbeiten einmal mehr als Virtuosin in der Gestaltung ausdrucksstarker Physiognomien. Das Kulturwesen Mensch wird hier in seiner Typenvielfalt mit dem Naturwesen Tier in kontrastierende Beziehung gesetzt. Der Zyklus rundet sich zu einem Kaleidoskop menschlicher Selbstgefälligkeit, bei dem sich die Assoziation zur Narrenschiffssymbolik geradezu aufdrängt.
Dr. Armin Heim

Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung


Daueraustellung

Integriert in das Kultur- und Museumszentrum Schloss Meßkirch hat seit März 2006 im Südflügel der Schlossanlage auf zwei Etagen und einer Gesamtfläche von ca. 450 qm die Kreisgalerie Schloss Meßkirch ihren Standort gefunden. Die Dauerausstellung im Erdgeschoss birgt in sechs Abteilungen ausgewählte Werke aus der Kunstsammlung des Landkreises Sigmaringen mit einer Bandbreite von der gotischen Plastik und barocken Altartafelbildern bis zu Werken zeitgenössischer Kunstschaffender. Die seit den 1980er Jahren unter qualitativen Gesichtspunkten aufgebaute Kreiskunstsammlung versteht sich als Dokumentation des kreisweiten und regionalen Kunstschaffens in seiner historischen wie gegenwärtigen Vielfalt.

Sammlungsschwerpunkte

Ihr besonderes Profil gewinnen Kunstsammlung und Kreisgalerie durch drei Sammlungsschwerpunkte: Der aus Mengen stammende Kubist und Pionier des modernen Holzschnitts Gottfried Graf (1881 – 1938) ist neben Ölbildern und Aquarellen mit einem breiten Querschnitt von Holzschnitten und Radierungen vertreten. Zu dem in Sigmaringendorf aufgewachsenen Bildhauer Anton Hiller (1893 – 1985) kann die Kreisgalerie neben Bildhauerzeichnungen eine dichte Abfolge von Bronze- und Holzplastiken vorweisen, die die spannende Entwicklung dieses Künstlers über nahezu 50 Jahre von figürlichen Anfängen bis hin zu einer weitreichenden Reduzierung und Vereinfachung von Form und Ausdruck im Alterswerk demonstrieren. Dem in Herkunft und Jugend eng mit Sigmaringen und dem oberen Donautal verbundenen Maler Albert Birkle (1900 – 1986) ist ein dritter Sammlungsschwerpunkt gewidmet, der neben Ansichten der heimischen Landschaft ausgewählte Werke im Stil des expressiven Realismus aus seiner wichtigsten Schaffensperiode in den 1920er Jahren enthält.

Wechselausstellungen

Der Sonderausstellungsbereich im Obergeschoss der Kreisgalerie versteht sich als Forum für die regionale und zumal die zeitgenössische Kunst. In den hohen und lichten Räumen, die bei Bedarf um ein benachbartes Turmzimmer erweitert werden können, werden jährlich vier bis fünf Wechselausstellungen gezeigt. Die Bandbreite reicht dabei von Einzelausstellungen, zumeist in Verbindung mit „runden“ Geburtstagen arrivierter Künstler aus Landkreis und Region, über jurierte Kreiskunstausstellungen und Gruppenausstellungen mit thematischem Zuschnitt bis hin zur Präsentation von Fotoarbeiten, historischer Druckgrafik oder auch von „Schätzen“ der regionalen Archäologie.

Weitere Informationen

Homepage des Schloss Meßkirch