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Kultur & Archiv

Seuchen-Quarantäne in der Geschichte – 047


Darüber hinaus verhängten die Obrigkeiten während der Pestepidemien des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit rigorose Quarantänemaßnahmen mit der Sperrung ganzer Straßenzüge und Stadtteile und der Kontrolle und Einschränkung des Reise- und Handelsverkehrs. In größeren Städten wurden die Infizierten in Pesthäusern und Spitälern abgesondert und isoliert, wo sie, wenn sie Glück hatten, von mutigen Samaritern und Priestern karitativ und seelsorgerlich in ihren zumeist in den Tod führenden letzten Tagen betreut wurden. Nicht selten bezahlten diese Helfer ihre praktizierte Nächstenliebe mit der eigenen Ansteckung und dem Leben. Das bekannteste Beispiel ist der Jesuit, geistliche Lieddichter und Kritiker des Hexenwahns Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635), der sich während der großen Pestepidemie 1634/35 im Dreißigjährigen Krieg in Trier bei der seelsorgerlichen Betreuung verwundeter und infizierter Soldaten ansteckte und mit nur 44 Jahren verstarb.
 
Eine Art von Selbstquarantäne praktizierte demgegenüber Graf Gottfried Werner von Zimmern in den Pestzeiten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wie wir aus der Zimmerischen Chronik wissen. Als 1518 ein „gemeines Landsterben“ sich in Deutschland ausbreitete und im Herbst dieses Jahres auch auf die zimmerische Residenzstadt Meßkirch ausgriff, wurden viele Leute, Reiche wie Arme, hinweggerafft und weder Junge noch Alte verschont. Der Meßkircher Stadtherr Gottfried Werner von Zimmern wich vor der Seuche, wie die Chronik berichtet, zusammen mit seiner Mutter, seiner Frau und der gemeinsamen Tochter und nicht wenig Gesinde auf die Burg Wildenstein aus und verharrte auf der Bergfestung ein ganzes Jahr lang. Erst als im Folgejahr 1519 das Sterben aufhörte und sich die Luft allenthalben wieder besserte, ist Gottfried Werner mit seiner Haushaltung wieder nach Meßkirch zurückgezogen. Wie die Chronik eingehend und nicht humorfrei schildert, hat er aus Sorge vor Ansteckung während dieser Zeit nur wenige Leute in den Wildenstein ein- und hinausgelassen. Die dienstbaren Geister, die der Herrschaft Verpflegung zur Burg brachten, mussten bei der Übergabe einen Sicherheitsabstand einhalten. Die Anlieferung von Kleidern, Schuhen, Textilien etc. hatte Gottfried Werner generell verboten, so dass die „Frauenzimmer“ und Diener daran Mangel litten. Gleichwohl wurden durch diese Vorkehrungen der Chronik zufolge alle Burginsassen von Krankheit und „Unfahl“ glücklich verschont.
 
Die Zimmerische Chronik berichtet noch von einer weiteren Pestepidemie („sterbende leuf“), die im August und September 1541 mit Gewalt im ganzen Schwabenland, vor allem aber zu Meßkirch, Stockach, im Hegau, am Neckar, im Schwarzwald und an der Donau wütete. „Do gieng es an ain kurz schaiden“, beschreibt der Chronist lapidar die hohen Menschenverluste durch die Seuche. Graf Gottfried Werner von Zimmern wich vor der Epidemie auch jetzt wieder nebst Haushaltung aus seiner Residenzstadt auf den Wildenstein aus und kehrt erst im Herbst des Folgejahres wieder nach Meßkirch zurück. Seine Ehefrau Appollonia von Henneberg ist dieses Mal nicht dabei, hat diese sich doch zeitweilig von ihrem untreuen Ehemann getrennt und verbringt die Seuchenzeit mit ihrer Tochter Anna und ihrem Schwiegersohn, dem Grafen von Hohenzollern, in Hechingen, auf der Burg Hohenzollern sowie in der Reichsstadt Weil der Stadt, wo sie sich mehr als ein halbes Jahr aufhalten. Auf das Privileg der Reichen und Hochgestellten, Ortschaften bei Ausbruch von Seuchen verlassen zu können, habe ich bereits verwiesen.
 
Die Burg Wildenstein diente Graf Gottfried Werner von Zimmern im Übrigen nicht nur während der Pestepidemien, sondern auch in Kriegs- und Krisenzeiten als Refugium. So zieht er sich auch während des Schmalkaldischen Krieges 1546/47 und im Bauernkrieg von 1525 jeweils mit Gefolge und Vermögensschätzen über Monate auf den Wildenstein zurück und wartet dort in Sicherheit den Ausgang der Krise ab. Seine Gemahlin Appollonia von Henneberg, der er sich entfremdet hatte, lässt er 1525 allerdings im aufständischen und mit den rebellischen Bauern paktierenden Meßkirch zurück, wo ihr indessen, wie die Chronik vermeldet, „niemands was args zuzufüegen begert“. Bliebe zu ergänzen, dass der Wildenstein Gottfried Werner von Zimmern nicht zuletzt auch als Liebesnest diente, wo er im Laufe der Jahre mit unterschiedlichen Konkubinen seine acht illegitimen Kinder zeugte.
 

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Edwin Ernst Weber
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