Ausnahmeregelung zur Futternutzung des Aufwuchses von ÖVF-Bracheflächen und FAKT-Begrünungen aufgrund der extremen Trockenheit

Aufgrund der außergewöhnlich trockenen und heißen Witterung 2018 im gesamten Landesgebiet Baden-Württembergs ist in vielen landwirtschaftlichen Viehhaltungsbetrieben Futterknappheit eingetreten bzw. für die kommenden Wintermonate noch in kritischer Form zu erwarten.

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) Baden-Württemberg gibt folgende Ausnahmeregelungen bekannt:

FAKT-Begrünungen (E1.1 „Herbstbegrünung“, E1.2 „Begrünungsmischungen“ und F1 „Winterbegrünung)

Es wird die Möglichkeit eröffnet, den bestehenden Verpflichtungsumfang für die Begrünung von Ackerflächen in 2018 um mehr als 30 % zu reduzieren, um statt der Begrünung diese Flächen für die Erzeugung von Futter aus Zwischenfrüchten nutzen zu können. Auch eine Abgabe dieser ersatzweise angesäten Futterzwischenfrüchte an Dritte ist möglich. Die Inanspruchnahme dieser Ausnahmeregelung hat der Landwirt/die Landwirtin der unteren Landwirtschaftsbehörde als Fall außergewöhnlicher Umstände anzuzeigen.

Formular (Antrag auf Anerkennung außergewöhnlicher Umstände bei FAKT-Begrünungen)

Futternutzung des Aufwuchses von ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) auf beantragten ÖVF-Bracheflächen (ÖVF-Code 9) und ÖVF-Zwischenfruchtbegrünungen (ÖVF-Code 2)

Das MLR hat eine Allgemeinverfügung erlassen, um den Aufwuchs von ÖVF-Bracheflächen durch Beweidung mit Tieren oder Schnittnutzung für Futterzwecke nutzen zu können. Zulässig ist auch eine kostenlose Weitergabe im Rahmen der Nachbarschaftshilfe an Dritte. Die für die Nutzung vorgesehenen ÖVF-Bracheflächen sind der unteren Landwirtschaftsbehörde vor der Nutzung schriftlich anzuzeigen.

Formular (Anzeige über die Futternutzung von ÖVF-Bracheflächen)

Aufgrund der extremen Trockenheit hat die EU-Kommission Ausnahmeregelungen für die Nutzung von ÖVF-Zwischenfrüchten (ÖVF-Code 2) eröffnet. Deutschland möchte von dieser Option Gebrauch machen. Die entsprechende Verordnung soll angepasst werden. Eine Nutzung für Futterzwecke wäre nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung (voraussichtlich Ende September 2018) möglich. Zu beachten ist, dass der Zwischenfruchtbestand ab der Aussaat mindestens 8 Wochen auf der Fläche stehen muss. Landwirte, die interessiert sind, diese geplante Möglichkeit zu nutzen, sollten daher vorsorglich die Aussaat sowie bereits erfolgte Aussaaten auf ihren Flächen in geeigneter Weise dokumentieren.

Pressemitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

Bitte beachten: Es geht bei den o.g. Regelungen um Ausnahmen zur Nutzung für Futterzwecke aufgrund extremer Trockenheit. Die Nutzung in Biogasanlagen ist demnach nicht möglich. Ein viehhaltender Betrieb mit Biogasanlage muss zuerst seine für die Biogasanlage vorgesehenen Futterpflanzen an die Tiere verfüttern.

FAKT G1 „Sommerweideprämie“

Ist im Weidezeitraum vom 01.06. – 30.09.2018 ein Weidegang wegen hoher Temperaturen (Tierwohl) oder fehlendem Aufwuchs nicht möglich, ist dies im Weidetagebuch zu dokumentieren. Beide Gründe werden als „entschuldigte“ Fehltage anerkannt, sofern sie für die örtlichen Verhältnisse zutreffen.