Workshops zum Thema Jugendmedienschutz
Mit rund 40 Workshops zum Thema Jugendmedienschutz waren das Landratsamt Sigmaringen und das Polizeipräsidium Ravensburg im gerade abgelaufenen Schuljahr in zahlreichen sechsten und siebten Klassen zu Gast. Michael Weis vom Fachbereich Jugend und Fabian Hengstler vom Referat Prävention kamen mit den Jugendlichen dabei insbesondere über die Nutzung von Smartphones ins Gespräch. Das Fazit der Fachleute: Ab Klasse 5 besitzen die meisten Schülerinnen und Schüler ein Smartphone, nur etwa die Hälfte der Geräte ist mit Jugendschutz-Filtern und entsprechenden Apps ausgestattet. Erfahrungen mit ungeeigneten Inhalten macht ein Teil der Kinder – meistens schon in der Grundschule.
Durch seine Workshops an Grundschulen ist Weis bekannt, dass manche Schülerinnen und Schüler bereits in Klasse 4 – oder noch früher – Social-Media-Apps wie Snapchat, TikTok oder Instagram nutzen. Insbesondere über diese Apps können sie dabei auch an sexualisierte, gewaltverherrlichende und extremistische Inhalte gelangen. „Vor allem Gruppeneinladungen von Unbekannten über WhatsApp führen häufig zu Kontakt mit ungeeigneten Nachrichten, Fotos und Videos“, sagt Michael Weis. „Diese Einladungen lassen sich über die App-Einstellungen unterbinden.“
Apps wie Snapchat, Instagram oder TikTok seien für Kinder grundsätzlich nicht geeignet, „auch wenn die Anbieter die Nutzung ab 13 Jahren erlauben. „Erlauben würden wir die Nutzung eher ab 14 oder 15 Jahren, empfehlen würden wir sie überhaupt nicht“, sagt Weis. „Die Mechanismen, um Nutzerinnen und Nutzer in der App zu halten, sind viel zu ausgeklügelt. Selbst Erwachsene können sich dem kaum entziehen.“
Von einem eigenen Smartphone in der fünften Klasse rät Weis eher ab. „Falls Schülerinnen und Schüler in diesem Alter bereits ein eigenes Smartphone nutzen, dann am besten mit Kinderkonten und einer Beschränkung auf die Telefon-App“, sagt Fabian Hengstler. Nahezu jede App biete inzwischen die Möglichkeit, ein von den Eltern verwaltetes Kinderkonto anzulegen. Unter www.medien-kindersicher.de finden Eltern hilfreiche Anleitungen, um Handys, Spielkonsolen, Apps wie Snapchat oder TikTok sowie Streamingdienste wie Netflix, Disney+ und Spotify mit einer Kindersicherung auszustatten.
Ohne eine solche Kindersicherung können Apps wie Snapchat zu einem unkontrollierten Zugang zu sexualisierten Inhalten führen. „In fast jedem Workshop gibt es Schüler, insbesondere aber Schülerinnen, die angeben, dass ihnen zum Beispiel Nacktbilder zugeschickt wurden“, sagt Michael Weis. „Und wir müssen annehmen, dass es noch mehr sind – die es uns gegenüber nur nicht sagen.“ Unterstützung bekommen Eltern, Kinder und Jugendliche bei diesem sensiblen Thema bei Schulsozialarbeitern, Vertrauenslehrern oder der Anlaufstelle Lichtblick“ der Caritas. Plattformen wie www.juuuport.de bieten auch eine anonyme Online-Beratung an. Weitere Tipps zum Umgang mit Medien gibt es auf der Internetseite des Landkreises unter www.landkreis-sigmaringen.de/de/Landratsamt/Landkreisverwaltung/Fachbereiche/Jugend/Erziehung-und-Medien.
Neben den technischen Möglichkeiten ist eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kind/Kindern wichtig. Gemeinsame Medienzeit ist auch Beziehungszeit. Kinder schätzen es, wenn ihre Eltern z.B. mit ihnen gemeinsam spielen oder die Online-Welt erkunden.
Info: Ermöglicht wird die seit Jahren bewährte Kooperation zwischen Polizei und Landratsamt durch den Arbeitskreis Jugendmedienschutz des Forums Jugend, Soziales, Prävention e.V. Ziel des Arbeitskreises ist es, die Präventionsarbeit im Landkreis Sigmaringen zu bündeln und zu vernetzen. Zum Arbeitskreis gehören auch die Erziehungsberatungsstelle der Caritas, die Suchtberatungsstelle der agj Freiburg, die Jugendarbeit von Mariaberg in Mengen, das Kreismedienzentrum Sigmaringen, die Anlaufstelle Lichtblick der Caritas sowie die Stationären Hilfen und die Jugendhilfestation des Erzbischöflichen Kinderheims Haus Nazareth.
Foto: Fabian Hengstler und Michael Weis bei ihrem letzten Workshop im Schuljahr 2025/2026.
Bildunterschrift: Zahlreiche sechste und siebte Klassen haben Michael Weis (links) vom Fachbereich Jugend des Landratsamts Sigmaringen und Fabian Hengstler vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Ravensburg im abgelaufenen Schuljahr besucht.
Quelle: Landratsamt Sigmaringen
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