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10 Jahre Netzwerk für Suchthilfe und Suchtprävention


Suchthilfe
von links nach rechts: Sebastian Schneider, zukünftiger Leiter der Suchtberatungsstelle und neuer Sprecher des Suchthilfenetzwerks, Klaus Harter, bisheriger Sprecher des Suchthilfenetzwerks und Leiter der Suchtberatungsstelle, Frank Veser, Janine Stark, Kommunale Suchtbeauftragte des Landkreises

Es ist viel entstanden im Miteinander der beteiligen Institutionen. Dies konnte auch vom Festredner des Abends, Prof. Dr. Hamann von der Ginko-Stiftung für Prävention in Nordrhein-Westfalen, nur bestätigt werden. Organisatorisch wird es einen Wechsel an der Spitze des Netzwerks geben. Klaus Ernst Harter, einer der beiden Leiter des Netzwerks, wird in Ruhestand gehen. Er wurde gebührend verabschiedet. Sein Nachfolger wird Sebastian Schneider, zukünftiger Leiter der Suchtberatungsstelle.
 
Ziel der kommunalen Suchthilfenetzwerke ist eine Kooperation, um die verfügbaren Mittel effizienter und effektiver einsetzen zu können, Doppelungen zu vermeiden und eine gute Versorgung der Menschen im Landkreis mit der Suchtprävention und den Angeboten der Suchthilfe zu gewährleisten.
 
Zu den Gründungsmitgliedern des Kommunalen Suchthilfenetzwerks in Sigmaringen gehörten das Landratsamt Sigmaringen, die Suchtberatungsstelle Sigmaringen, das ehemalige Kreiskrankenhaus Sigmaringen, das Therapiezentrum Hausen im Tal, die Wohnungslosenhilfe Sigmaringen der AGJ Freiburg, Vertreter von Selbsthilfekreisen und die Zieglerschen Anstalten. Später sind die AOK Bodensee-Oberschwaben und die Deutsche Rentenversicherung dazu gekommen.
 
Janine Stark, kommunale Suchtbeauftragte des Landkreises und eine der beiden Vorsitzenden des Netzwerks: „In der Suchthilfe hat sich der Landkreis immer früh mit den anstehenden Themen befasst und darauf reagiert, so z.B. bei den Themen „Glücksspiel“, „Arbeitslosigkeit und Sucht“ oder auch „Sucht im Alter“.“ Sie berichtete aus der bewegten 10-jährigen Geschichte  des Netzwerks, das verschiedene Fachtage, z.B. zum Thema Medienabhängigkeit veranstaltet hat und immer viel Beachtung fand. Einige Projekte des Landkreises Sigmaringen wurden von anderen Landkreisen übernommen, wie zum Beispiel die Jugendmedienakademie und die Projekte Festkultur und Fairfest. „Das Projekt Festkultur wurde 2013 sogar auf Bundes- und Landesebene ausgezeichnet.“, berichtete Stark. Festkultur und Fairfest zielt darauf ab durch die Einhaltung von Regeln bei einer Veranstaltung einen ruhigen Ablauf des Festes zu gewährleisten und Alkoholexzesse und Gewalteskalationen zu vermeiden. Das dient der Sicherheit der Besucher, aber auch die Veranstalter sehen darin einen ganz klaren Gewinn. „Wir wollen feiern und lustig sein mit allen Anwesenden und Störungen oder Konflikte vermeiden. Die Regeln von Festkultur und Fairfest unterstützen uns hier sehr“, so Marlene Wetzel, Vorsitzende vom Kreisjugendring Sigmaringen und Vorsitzende vom Narrenverein Hohentengen-Beizkofen e.V.
 
Das Siegel „Jugendschutz Plus“, ein weiteres wichtiges Projekt, motiviert die Vertreter der Vereine die Regeln des Jugendschutzes zu beachten und auch in der Freizeit an suchtpräventive Maßnahmen zu denken. So z.B. gilt beim SC Pfullendorf die Regel, dass im Trikot kein Alkohol getrunken wird, um mit gutem Beispiel voran zu gehen. Über das Projekt „Sterne für Schulen“ werden die Schulen ausgezeichnet, die in ihrer Präventionsarbeit überdurchschnittlich viel und vor allem dauerhaft leisten.
 
Einige wichtige Präventionsmaterialien wurden in den Landkreis geholt, um sie für Schulen und Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. „Mädchen Sucht Junge“ (Themen: Alkohol, Nikotin, Medien, Cannabis, Essstörungen), die Ausstellung „Klang meines Körpers“ zur Prävention von Essstörungen und der „Glücksspiel-Koffer, der die Gefahren der Glückspielsucht auf einfachem Weg aufzeigt sind gute Beispiele hierfür.
 
Ein besonderes Projekt ist „SuPrion“, in dem ausgebildete Personen mit Kindern, Jugendlichen und Eltern an den Präventions-Themen im Klassenverband arbeiten.
 
Die Teilnahme an Landesprojekten in der Suchthilfe war für den Landkreis Sigmaringen immer selbstverständlich. Ab 2015 übernahm die Stadt Pfullendorf hier eine Vorreiter-Rolle mit der Entwicklung eines Konzeptes zur Kommunalen Alkoholpolitik.
 
In Sigmaringen, so die Zahlen der Suchtberatungsstelle, werden die meisten Betroffenen aufgrund von Alkoholproblemen (76,4 %) behandelt. Danach folgt Tabak (55 %), Cannabis (41%) und Opiate (23,9%) (Quelle: Jahresbericht der Suchtberatungsstelle Sigmaringen – Mehrfachnennungen sind möglich in der Statistik der Symptome). Im letzten Jahr haben 1177 Menschen (Betroffene und Angehörige) aus dem Landkreis Kontakt zur Suchtberatungsstelle aufgenommen. Davon wurden 143 in die Entgiftung vermittelt, 56 in die stationäre Therapie, 11 in die ambulante Therapie und 26 in die Selbsthilfegruppe.
 
Gemeinsam mit der Kommunalen Suchtbeauftragten, Janine Stark, war Klaus Harter, Leiter der Suchtberatungsstelle, seit 10 Jahren ein Sprecher des Kommunalen Suchthilfenetzwerks. Harter tritt im Frühjahr in den Ruhestand ein. Sozialdezernent Frank Veser dankte ihm für seine langjährige Mitarbeit. Dankesworte gab es auch in Richtung Kommunen und Kreistag: „Ohne die verlässliche Unterstützung der Gemeinden und des Kreistags hätten wir viele Angebote nicht realisieren können“, so Veser.