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Aktuelle Meldung

Gesundheit

Gesundheitsamt zieht erste Corona Bilanz


Landrätin dankt Mitarbeitern und Partnern für die gute Arbeit

Um der Lage dauerhaft Herr zu werden, ist mehr Personal vom Land notwendig

Bürger müssen trotzdem vorsichtig bleiben, die Gefahr ist noch nicht gebannt


Auf einer Pressekonferenz blickten Landrätin Stefanie Bürkle und Vertreter des Gesundheitsamts auf die vergangenen Wochen zurück und machten deutlich, worauf es in Zukunft im Kampf gegen das Corona Virus ankommt.
 
Der Blick zurück
Am Nachmittag des 9. März war es soweit: Der erste Patient im Landkreis war mit dem Corona Virus infiziert. Eilig wurde am Abend eine Pressekonferenz einberufen, um den Bürgern zu erklären, was dies nun für den Kreis heißt und welche Aufgaben auf das Gesundheitsamt zukommen. Was es wirklich heißen sollte und was tatsächlich auf das Gesundheitsamt zukam, konnte damals noch niemand ahnen. „Zwei Tage später hatten wir bereits 4 Fälle in drei Gemeinden und richteten den Verwaltungsstab ein, in der sich alle Akteure später täglich abstimmten“, berichtet Landrätin Stefanie Bürkle. Am 16. März rufen 1500 Bürger auf der Corona-Hotline des Landkreises an.
 
Immer mehr Personen steckten sich an. Am 29. März vermeldete das Gesundheitsamt 85 Neuinfizierte allein an einem Tag. Die Tage zuvor waren es jeweils um die 40 gewesen, in den darauf folgenden Tagen sollten es 50 und 76 neue Infizierte sein. „Ende März haben wir in den Abgrund geschaut“, sagt Landrätin Bürkle gefasst.
 
Von nun an war das komplette Landratsamt gefordert. Und auch die Kliniken liefen voll:
Am 27. März lagen 26 Patienten auf der Coronastation im Krankenhaus Sigmaringen. Eine Woche später waren 9 von 11 Beatmungsplätzen belegt.. Die Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen wirkten nur langsam.
 
Um alle Kontaktpersonen nachverfolgen zu können und Bürger und Einrichtungen zu beraten, hat Sozialdezernent Frank Veser fast 60 Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen zur Unterstützung in das Gesundheitsamt entsandt. In der Spitze arbeiteten 82 Kollegen im Gesundheitsamt. „Regulär sind wir 23 Mitarbeiter, wir hatten also mehr als doppelt so viele Kräfte aus dem Haus einzulernen, wie wir selbst sind“, macht Dr. Ulrike Hart, die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts klar. Mit Alexander Hersam und Jutta Rebholz wurden ihr auch Verwaltungsleiter zur Seite gestellt, damit sich die Ärztin mit ihrer Kollegin Dr. Susanne Haag-Milz und dem gesamten Ärzteteam von dort an auf die medizinischen Fragen konzentrieren konnten.
 
Nach den Osterfeiertagen waren 567 Menschen infiziert. Erst 222 waren wieder genesen. Der Landkreis zählte am 8. April mit einer Inzidenz von 418 Infizierten pro 100.000 Einwohner zu den am heftigsten betroffenen Kreisen in Baden-Württemberg und ist unter den TOP 10 Deutschlands zu finden.
 
„Alle Handelnden im Kreis waren sich dem Ernst der Lage bewusst“, resümiert Landrätin Stefanie Bürkle. „Viele Mitarbeiter im Gesundheitsamt haben über mehrere Wochen ohne freien Tag durchgearbeitet und waren oft bis spät abends noch im Büro. Bis wir einen zwei Schicht Betrieb an sieben Tagen in der Woche organisieren konnten, haben die Mitarbeiter schier unglaubliches geleistet. Ich kann nur nochmals danke sagen.“
 
Bürkle hielt mit ihren Mitarbeitern, mit der Klinik, der Ärzteschaft, den Gesundheitseinrichtungen, der Polizei, den Rettungsdiensten, den Gemeinden, der Bundeswehr und Kollegen aus anderen Landkreisen täglich engen Kontakt. Ihnen allen möchte sie auch rückblickend nochmals danke sagen.
 
Was weiß man mittlerweile über das Virus?
Anfang April traten auch die ersten Fälle in Einrichtungen der Behinderten- und Altenhilfe auf. „Dort haben wir großflächig Personen getestet und die erstaunliche Erkenntnis gewonnen: neben Menschen, die Symptome gezeigt haben, wurden auch Menschen positiv getestet, die überhaupt keine Symptome aufwiesen“, berichtet Dr. Ulrike Hart.
 
Und auch die Krankheitsverläufe der Einzelnen waren sehr verschieden: von Menschen, die über 14 Tage nahezu keine bis leichte Symptome zeigen, bis hin zu Menschen, bei denen sich die Krankheit erst nach über einer Woche deutlich bemerkbar macht, bis hin, dass stationäre Aufenthalte in Kliniken erforderlich werden.
 
Aus welchen Gründen gerade der Landkreis Sigmaringen anfangs so stark betroffen war, ist bis heute nicht klar. „Wir hatten keine Veranstaltung oder einen einzelnen Hotspot, von dem alles ausging“, so Hart. Gerade dies machte die Lage auch so herausfordernd für die Mediziner.  
 
Die aktuelle Lage
Am 27. Mai meldet der Kreis 782 Infizierte, 741 Menschen, bei denen die Quarantäne ausgelaufen ist und 34 Verstorbene, d.h. tagaktuell sind im Landkreis nur noch 8 Personen infiziert. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 1,5 ist der Kreis weit von der kritischen Marke von 50 Fällen von 100.000 Einwohner entfernt. Am 19. Mai war der Kreis gar der erste Kreis im Land, der innerhalb einer Woche gar keine neuen Infizierten zu vermelden hatte.
 
Wie geht es weiter?
„Das Corona Virus wird uns noch lange Zeit intensiv begleiten“, macht Landrätin Stefanie Bürkle deutlich. Die Besetzung im Gesundheitsamt konnte aktuell bereits wieder auf 18 zusätzliche Mitarbeiter herunter gefahren werden.  Damit sind im Gesundheitsamt aktuell 41 Mitarbeiter tätig. Dauerhaft plant Frank Veser mit 12 zusätzlichen Stellen, die das Gesundheitsamt bis mindestens Sommer 2021 als Verwaltungsunterstützung erhalten soll. „Tritt ein Infektionsgeschehen auf, müssen wir innerhalb von 24 Stunden 34 ausgebildete Mitarbeiter in der Kontaktpersonennachverfolgung zur Verfügung stellen“, erläutert Veser die Vorgaben des Bundes.
 
Landkreis ist auf Hilfe des Landes angewiesen
In den letzten Monaten hat überwiegend der Landkreis das zusätzliche Personal im Gesundheitsamt gestellt, obwohl dies eigentlich Aufgabe des Landes wäre. „Bislang haben wir keinen Containmentscout zugeteilt bekommen. Von den Landesbehörden erhielten wir bislang Unterstützung durch zwei Veterinärinnen der CVUA, die leider nach einem Monat wieder an ihre Dienststelle zurückkehren müssen. Das ärztliche Personal konnte durch Aufstockung vorhandenen ärztlichen Personals und eine befristete zusätzliche Halbtagsstelle auf Kosten des Landes etwas verstärkt werden. Die Hauptlast der Personalaufwendungen liegt aber beim Landkreis. Wir hoffen auf weitere Hilfszusagen durch das Sozialministerium. “ kritisiert Veser.
 
Der Kreis sieht hohe finanzielle Herausforderungen auf sich zukommen. Wie stark Steuern und Zuweisungen in diesem und in den nächsten Jahren einbrechen, wird die Steuerschätzung in einigen Tagen zeigen. Neben weniger Einnahmen wird der Kreis aber auch höhere Ausgaben haben. Im Jobcenter rechnet man mit 250 neuen Bedarfsgemeinschaften, die gute 900.000 Euro an zusätzlichen Ausgaben bedeuten. 200.000 Euro flossen bislang schon in Schutzausrüstung, 120.000 Euro wurde etwa für das Testcenter in Hohentengen sowie in IT- und Schutzmaßnahmen in der Verwaltung ausgegeben. „Was aber noch vor uns liegt, gerade im Sozialbereich, können wir heute noch nicht sagen. Wir rechnen aber damit, dass bei den Sozialen Hilfen, in der Hilfe zur Pflege und der Eingliederungshilfe Corona-bedingte Mehrkosten entstehen werden“, so Veser.
 
„Wenn die politische Vorgabe ist, 34 ausgebildete Mitarbeiter jederzeit für die Kontaktpersonennachverfolgung bereit zu halten, dann können wir dieses Personal nicht über Monate oder sogar Jahre aus anderen Bereichen abziehen. Dort bleiben ansonsten wichtige Aufgaben liegen. Das Land muss uns jetzt schnell und dauerhaft mit zusätzlichem Personal und Finanzmitteln helfen“, fordert Landrätin Stefanie Bürkle.
 
Shutdown im Landkreis – was wäre zu tun?
 
Treten wieder mehr Infektionen auf, ist der Landkreis mehr denn je gefordert. Denn künftig liegt es an ihm, in Abstimmung mit dem Land und den Gemeinden regionale und spezifische Beschränkungen zu erlassen. „Wir müssen in jedem Einzelfall konkret schauen, welche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind. Da lässt sich heute noch wenig sagen, da dies immer auch vom jeweiligen Ausbruchsgeschehen abhängig sein wird. Eine Situation in einer Einrichtung ist anders zu beurteilen, als eine in einer Kneipe“, so Bürkle. Klar ist nur: Das Gesundheitsamt muss nach wie vor 7 Tage die Woche in Einsatzbereitschaft sein.
 
Durch die vielen Lockerungen in letzter Zeit rechnet das Gesundheitsamt wieder mit mehr Infizierten. Alle Vertreter betonten immer wieder, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist, man weiter vorsichtig sein muss und sie die Bürger bitten, die immer noch notwendigen Einschränkungen mit zu tragen.
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