Weg zur Zertifizierung und Zertifizierungskriterien

Im Jahr 2023 begann der Landkreis Sigmaringen mit konkreten Schritten in Richtung Fairtrade-Zertifizierung. Den Auftakt bildete die Gründung einer Steuerungsgruppe am 25. Mai 2023. In dieser Gruppe engagieren sich Vertreter aus der Politik, Zivilgesellschaft sowie Verwaltung und Wirtschaft. Ihr Ziel: Die Kriterien für die Auszeichnung zu erfüllen und langfristige Strukturen für den fairen Handel im Landkreis zu etablieren.

Ein zentrales Anliegen war es, das Bewusstsein für fairen Handel im Landkreis zu stärken und entsprechende Bildungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Dies umfasste unter anderem die Förderung des Verkaufs und Konsums fair gehandelter Produkte in öffentlichen Einrichtungen und die Durchführung von Informationsveranstaltungen.

Bei einer feierlichen Veranstaltung am 20. Juni 2024 wurde der Landkreis Sigmaringen offiziell als Fairtrade-Landkreis ausgezeichnet. Landrätin Stefanie Bürkle nahm das Zertifikat von Ehrenbotschafter Manfred Holz entgegen, was den erfolgreichen Abschluss des Zertifizierungsprozesses markierte. Die Verleihung würdigte nicht nur das Engagement der Steuerungsgruppe, sondern auch die breite Unterstützung durch die Bevölkerung und die regionaler Akteure.

Die fünf Hauptkriterien

Die Zertifizierung durch Fairtrade Deutschland basiert auf einem strukturierten Kriterienkatalog, der auf kommunaler Ebene ein breites gesellschaftliches Engagement voraussetzt.

Ratsbeschluss

Der erste Schritt besteht in einem offiziellen Beschluss durch das höchste politische Gremium – im Landkreis Sigmaringen ist dies der Kreistag. In diesem Beschluss hat sich der Landkreis klar zur Unterstützung des fairen Handels bekannt. Zudem verpflichtet sich die Landkreisverwaltung, bei Sitzungen und in ihren Einrichtungen fair gehandelten Kaffee und ein weiteres Produkt anzubieten. Damit übernimmt die öffentliche Hand eine wichtige Vorbildfunktion für andere gesellschaftliche Bereiche.

Steuerungsgruppe

Eine zentrale Rolle spielt die Steuerungsgruppe, die den Zertifizierungsprozess begleitet und langfristig fortführt. Sie ist für die Planung und Umsetzung von Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkarbeit zuständig. Wichtig ist, dass sie breit aufgestellt ist: Neben Vertreter aus der Verwaltung beteiligen sich auch Engagierte aus Zivilgesellschaft, Kirche, Schule, Wirtschaft und Vereinen. Im Landkreis Sigmaringen wurde diese Gruppe bereits 2023 gebildet und arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Projekts.

Produkte

Damit der faire Handel für die Bürgerschaft sichtbar und zugänglich wird, müssen im Landkreis Einzelhandelsgeschäfte sowie Gastronomiebetriebe nachweislich fair gehandelte Produkte im Sortiment führen. Die Anzahl der Betriebe richtet sich nach der Größe des Landkreises. Die Steuerungsgruppe sorgt für die Erhebung, Einbindung und öffentliche Darstellung dieser Akteure – etwa über einen Einkaufsführer oder eine interaktive Karte.

Zivilgesellschaft

Ein weiteres Kriterium ist die aktive Beteiligung von Schulen, Kitas, Vereinen, Kirchengemeinden oder Initiativen. Diese sollen sich inhaltlich mit dem fairen Handel auseinandersetzen und ihn in ihre Arbeit einbinden – etwa durch Projekttage, Unterrichtseinheiten, Infoveranstaltungen oder faire Beschaffung. So wird das Thema generationenübergreifend und langfristig verankert.

Medien & Öffentlichkeitsarbeit

Nicht zuletzt ist es entscheidend, dass das Engagement für den fairen Handel auch sichtbar wird. Deshalb müssen regelmäßig öffentlichkeitswirksame Aktivitäten stattfinden: Pressemittteilungen, Aktionen in der fairen Woche, Ausstellungen oder Social-Media-Kampagnen sind Beispiele dafür. Ziel ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung zu stärken und neue Unterstützende zu gewinnen.

Die Erfüllung dieser fünf Kriterien stellt sicher, dass die Auszeichnung nicht nur symbolisch ist, sondern durch konkrete Maßnahmen mit Leben gefüllt wird. Der Landkreis Sigmaringen erfüllt diese Anforderungen seit 2024 und arbeitet stetig daran, das Netzwerk auszuweiten und den fairen Handel weiter in der Region zu verankern.