Kulturschwerpunkt 2019: Handwerk und Industrie

"Handwerk und Industrie"

Die Wirtschaft als Gegenstand der Kultur: Kreiskulturforum und Landkreis Sigmaringen stellen 2019 „Handwerk und Industrie“ in den Mittelpunkt ihres mittlerweile 17. kreisweiten Kulturschwerpunkts. Das Programm mit insgesamt 42 Veranstaltungen an 19 Orten quer durch das Kreisgebiet richtet zum einen den Blick zurück in die Geschichte von Handwerk und Gewerbe im Landkreis Sigmaringen und lädt ein zur Begegnung mit besonderen Handwerkstraditionen. Mittlerweile ausgestorbene Gewerbezweige wie die Glasbläserei, die Hafnerei und die Brennstoffgewinnung aus Torf werden dabei ebenso vorgestellt wie verschiedene bis heute lebendige Traditionshandwerke wie die Sattlerei oder das Kunstschmieden. Einige der in den Führungen vorgestellten Handwerksbetriebe können wie die Sigmaringendorfer Bäckerei Rebholz oder die Fulgenstädter Zimmerei-Schreinerei Luib ihre Tradition als Familienunternehmen über viele Generationen in die Vergangenheit zurückverfolgen.

Eine Diesellokomotive transportiert die Rohware zur Torfbrikettfabrik Ostrach, 1920 (Vorlage: Heimatmuseum Ostrach)Erntetechnik


Gewerbeentwicklung und Industrialisierung

In Vorträgen, Exkursionen und Ausstellungen werden die wichtigsten Etappen der Gewerbeentwicklung und der Industrialisierung im Kreisgebiet von der Bohnerz-Verhüttung über die einstmals bedeutende Textilindustrie auf der Alb und an der Oberen Donau bis zur Entwicklung einer breitgefächerten mittelständischen Industrie in den letzten Jahrzehnten verfolgt. Eine besondere Aufmerksamkeit erfährt der Eisenbahnbau als Motor der gewerblichen Entwicklung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Mit dem arbeitsteiligen und hoch spezialisierten Handwerk in der „Keltenstadt“ Heuneburg reicht die Begegnung mit der regionalen Gewerbegeschichte bis in frühe Eisenzeit vor rund 2500 Jahren zurück.

Der neu erbaute Bahnhof Gutenstein um 1890 (Vorlage: Kreisarchiv Sigmaringen)

Handwerks- und Industriekultur der Gegenwart

Ein zweiter Schwerpunkt des Kulturschwerpunkts ist die Begegnung mit der Handwerks- und Industriekultur der Gegenwart mit dem Besuch in ausgewählten Betrieben und gemeinsamen Überlegungen zur Zukunft der Wirtschafts- und Arbeitswelt vor dem Hintergrund von Globalisierung und Digitalisierung. In einem Podiumsgespräch soll mit Vertretern von Unternehmerschaft, Gewerkschaften und Politik nach den Entwicklungs- und Zukunftsperspektiven wie auch den Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Landkreis Sigmaringen vor dem Hintergrund der globalen Umbrüche gefragt werden.

Modell einer Dachkonstruktion. Beitrag von Sebastian Luib zur Deutschen Meisterschaft 2013 im Zimmerhandwerk

 
Zahlreiche Handwerks- und Industriebetriebe öffnen ihre Pforten für Führungen und stellen sich mit ihrer vielfach weit über die Region hinaus erfolgreichen Produktion vor. Bedeutende, für den Weltmarkt produzierende Industriebetriebe wie Tegometall in Krauchenwies, Späh in Scheer, Kendrion in Engelswies oder Knoll in Bad Saulgau sind dabei ebenso vertreten wie zahlreiche Handwerker. Nicht wenige Handwerksunternehmen und Manufakturen wie der Globen-Hersteller Columbus in Krauchenwies, der Bogenbauer für Streichinstrumente Penzel in Ostrach, Edi Hofmann aus Denkingen als Hersteller von Notenbändern für Drehorgeln oder die Perlmutterschleiferei Cedros in Jungnau stehen für kunstvolle, in weiter Umgebung einmalige Produktionszweige.
Wichtig war den Veranstaltern die Einbeziehung des vom Landkreis getragenen beruflichen Schulwesens, der am Mädchengymnasium der Heimschule Kloster Wald angebotenen handwerklichen Ausbildung, der Klöster im Kreisgebiet als – neben dem spirituellen Grundauftrag – auch wirtschaftlichen Unternehmen und nicht zuletztten von Menschen mit Behinderung mit ihrem Platz im Wirtschaftsleben einer inklusiven Gesellschaft. Die Firma Geberit in Pfullendorf öffnet ihre Pforten für einen spannenden Vortrag zum Zusammenhang von ethischem Verhalten und wirtschaftlichem Erfolg, und die Firma Bix in Meßkirch wagt in Verbindung mit der Künstlerin Carola Riester das Experiment einer interaktiven Begegnung zwischen Kunst und Industrie.

Globus-Herstellung beim Columbus Verlag Krauchenwies


Dank

Dieses besondere Programm mit seinem Mix aus geschichtlichem Rückblick und der Begegnung mit der aktuellen Wirtschafts- und Arbeitswelt war einmal mehr nur durch die Mitwirkung und das Engagement zahlreicher Partner und Mitstreiter aus dem gesamten Landkreis möglich: Die Bandbreite reicht dieses Mal von Museen, Bildungswerken, Volkshochschulen und Kommunen über Schulen, eine Behindertenwerkstatt und unsere Klöster bis zu den Gewerkschaften und zahlreichen Handwerks- und Industriebetrieben, die unserer Einladung sehr bereitwillig gefolgt sind, ihre Fabrikhallen und Werkstätten für ein kreisweites Kulturprogramm zu öffnen und Einblicke in ihre Geschichte, ihre Produktion und ihr Selbstverständnis zu gewähren. Sehr hilfreich war bei der Herstellung der Kontakte zumal zu den Industriebetrieben die Wirtschaftsförderung und Standortmarketing GmbH Landkreis Sigmaringen unter ihrem Leiter Dr. Bernhard Kräußlich. Nikolaus Mohr und Beate Rimmele, die stellvertretenden Vorsitzenden des Kreiskulturforums, haben nicht nur die Idee entwickelt, Handwerk und Industrie in den Mittelpunkt eines Kulturjahres zu stellen, sondern haben sich überdies auch stark engagiert, besondere Handwerksbetriebe im Kreisgebiet für eine Mitwirkung im Programm zu gewinnen.
 
Allen, die mit ihrem Engagement und Ideenreichtum inhaltlich wie organisatorisch zur Gestaltung eines wiederum attraktiven und vielfältigen Kulturjahres im Landkreis Sigmaringen beitragen, gebührt unser herzlicher Dank. Der Hohenzollerischen Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen sowie der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch ist einmal mehr für die finanzielle Förderung dieses Programmheftes sowie der gesamten Veranstaltungsreihe zu danken, dem Bereich Kultur und Archiv im Landratsamt für die Planung und Organisation dieses Kulturjahres.
 
Hier finden Sie das Programmheft zum Kulturschwerpunkt "Handwerk und Industrie"