Kultur aktuell

Ausstellung "Vom Werden und Vergehen" - Peter Guth (1957-2006) in der Kreisgalerie Schloss Meßkirch

Zwölf Jahre nach seinem frühen Tod zeigt die Kreisgalerie Schloss Meßkirch vom 11. März bis 17. Juni mit der Ausstellung „Vom Werden und Vergehen“ das thematisch und formal vielseitige und tiefgründige Lebenswerk des aus Mengen stammenden Künstlers Peter Guth (1957-2006). Die Schau mit insgesamt 85 Arbeiten aus drei Jahrzehnten wird am kommenden Sonntag, 11. März 2018, 11 Uhr, von Landrätin Stefanie Bürkle eröffnet. Der langjährige Sindelfinger Galerieleiter Otto Pannewitz wird in die Ausstellung und das Werk von Peter Guth einführen, der Musiker Wolfram Karrer sorgt für die musikalische Begleitung der Vernissage. Die Ausstellung ist bis 17. Juni jeweils von Freitag bis Sonntag sowie feiertags von 13 bis 17 Uhr im Obergeschoss der Kreisgalerie zu sehen. An den Sonntagen, 8. April und 13. Mai 2018, werden jeweils um 15 Uhr Sonderführungen mit Otto Pannewitz angeboten.
 
„Werden und Vergehen“ in all seinen Facetten: Geburt, Leben und Tod, sind von Anfang an das große Thema im Schaffen von Peter Guth. Die an seine gleichfalls früh verstorbene Mutter erinnernden Materialdrucke „Flügelhemden“ nebst Druckstock sind beispielhafte künstlerische Zeugnisse dafür. Die Herkunft aus einer Mengener Bäckerfamilie dokumentiert der Druck „Backschaufel“.

Formaler und inhaltlicher Dialog mit der Materie

Die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Formensprachen sowie Kunst- und Ausdrucksmittel zieht sich durch das Gesamtwerk Peter Guths. Elementar ist für den nach seinem Stuttgarter Akademie-Studium in Ellwangen tätigen Künstler und Kunsterzieher ein formaler wie inhaltlicher Dialog mit der Materie – in der Natur wie in der Kunst. Daraus erwächst ein weitverzweigtes Netz von bildnerischen Elementen, die Peter Guth zu Bildern und ihren Erzählungen vom und über das Leben formt. Schon früh gehören zu diesem Kunstwerdungsprozess Fundstücke jeder Art als Bildträger wie auch als bildhauerische Objekte. Sie sind die materiale Konstante im Werk Peter Guths. Aber die gebrauchten Bettlaken, Papiere, Bettteile, Fenster, Türen, Säulen, Holzböden, Metallteile oder Baumscheiben tragen auch Gebrauchs- und Lebensspuren, ihre eigene Geschichte, die er zu einem wesentlichen Teil seiner Arbeiten macht.

Holzschnitt und Holzdruck als Schwerpunkt des Schaffens

Schon in die Studienzeit fällt auch die Hinwendung zum Holzschnitt und Holzdruck, die mehr als zwei Jahrzehnte einen Schwerpunkt im Oeuvre des Künstlers bilden. Im kleinen Format auf Papier bis hin zu Riesenformaten auf Leinwand entwickelt Peter Guth seine gänzlich eigene Formensprache, die auf den Ausdruckselementen von Linie und Fläche in stets zurückhaltender Farbigkeit fußt. Auch erste Installationen datieren in diese Zeit und prägen die späten 1980er und vor allem die 1990er Jahre im Schaffen Peter Guths. In den Jahren vor seinem Tod kehrt er zu seinen malerischen und zeichnerischen Anfängen zurück. So entstehen 2003 bis 2005 die eher kleinformatigen Tuschmalereien der umfangreichen Serie „Sichten“. Mit diesen existentiell ausdruckstarken Gesichtern, die in ihrer körperlosen Setzung auf leerem Grund „Werden und Vergehen“ ein letztes Mal auf den Punkt bringen, schließt sich der Kreis im Schaffen Peter Guths.
 
Peter Guths „Turm der Künste“ entsteht 1992 als Mahnmal gegen die drohende Schließung der erst zwei Jahre zuvor neu eröffneten Galerie der Stadt Sindelfingen. Er ist als Symbol gegen die Bedrohung der Kultur, der Künste und ihrer Wirkungsorte durch politische und gesellschaftliche Unwissenheit geschaffen worden. Zugleich ist er ein zentrales Werk in Peter Guths Oeuvre, das dessen umfassende Kunst- und Weltsicht widerspiegelt.

Hier finden Sie den Flyer zur Ausstellung

Peter Guth, Flügelhemd