Hilfsangebot schützt Mutter und Kind
Diese bietet die Möglichkeit, das Kind trotzdem begleitet, sicher und medizinisch betreut zur Welt zu bringen. Damit dieses wichtige Hilfsangebot in der Praxis reibungslos funktioniert, haben sich Fachkräfte aus allen beteiligten Bereichen im Landratsamt Sigmaringen getroffen. Ihr Fazit: Die Begleitung einer vertraulichen Geburt erfordert ein Höchstmaß an Flexibilität, Sensibilität und unbürokratischer Zusammenarbeit.
Schwangere Frauen, die die vertrauliche Geburt in Anspruch nehmen möchten, können sich an die Schwangerschaftsberatungsstellen wenden. Dort erhalten sie eine kostenlose und vertrauliche Beratung. Zum Schutz ihrer Identität wählt die Schwangere ein Pseudonym und teilt nur einmalig einer Beraterin ihren richtigen Namen mit. Diese Angaben werden in einem verschlossenen Umschlag beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben hinterlegt. Anders als bei einer anonymen Geburt hat das Kind dadurch mit Vollendung des 16. Lebensjahres die Möglichkeit, Informationen über seine Herkunft zu erhalten. Alle weiteren Schritte bis zur Geburt erfolgen unter dem gewählten Pseudonym. Die Zusammenarbeit mit Geburtsklinik, Standesamt und Adoptionsvermittlungsstelle stellt sicher, dass Mutter und Kind sicher und vertraulich begleitet werden.
Bundesweit werden jährlich 110 bis 130 dieser vertraulichen Geburten registriert. Im Landkreis Sigmaringen wurde das gesetzlich verankerte Hilfsangebot bislang zweimal in Anspruch genommen. Gerade weil vertrauliche Geburten selten vorkommen, sind abgestimmte Abläufe, kurze Kommunikationswege und ein gutes Zusammenspiel aller beteiligten Stellen entscheidend. Vor diesem Hintergrund fand im Landratsamt das Fachtreffen von Vertreterinnen und Vertretern aus Schwangerschaftsberatung, Klinik, Hebammenwesen, Rettungsdienst und kommunaler Verwaltung statt. Organisiert wurde das Treffen vom Fachbereich Gesundheit des Landratsamts Sigmaringen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der Schwangerschaftsberatungsstellen.
Durch das Programm führte Margarita Straub, Leiterin der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Ulm. Mit ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich der vertraulichen Geburt gab sie den Teilnehmenden wichtige Einblicke in die praktische Umsetzung. Im Mittelpunkt standen die beiden vertraulichen Geburten, die innerhalb eines Jahres im Landkreis Sigmaringen begleitet wurden.
Die Aufarbeitung dieser Fälle machte deutlich, wie wichtig die enge Abstimmung aller beteiligten Stellen ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass jede vertrauliche Geburt individuell verläuft und es keine Standardlösung gibt. Neben klaren Zuständigkeiten und verlässlichen Abläufen braucht es vor allem Flexibilität sowie kreative und schnelle Entscheidungen aller Beteiligten. Entscheidend ist zudem, dass jeder, der potenziell mit einer Frau mit dem Wunsch einer vertraulichen Geburt in Kontakt kommt, den Begriff kennt und die richtigen Schritte einleiten kann.
„Die beiden Fälle haben gezeigt, dass die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen gut funktioniert“, sagt Dr. med. Susanne Haag-Milz, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit im Landratsamt Sigmaringen. „Gleichzeitig wurde deutlich, dass jede vertrauliche Geburt besondere Herausforderungen mit sich bringt.“ Damit im Ernstfall auch unter Wahrung der Anonymität die bestmögliche sichere Hilfe geleistet werden kann, ist ein regelmäßiger Austausch unter den Fachkräften wichtig – darin waren sich alle Teilnehmenden einig.
Hilfe und Informationen: Schwangere in Not können sich jederzeit anonym und kostenfrei an das bundesweite Hilfetelefon „Schwangere in Not“ unter der Nummer 0800 40 40 020 oder an die örtlichen Schwangerschaftsberatungsstellen wenden.
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