Sommerherbst im Landkreis
In vielen Wäldern des Landkreises, wie beispielsweise rund um Leibertingen, fällt derzeit auf, dass Bäume – besonders Buchen – bereits im Juli bunte oder braune Blätter bekommen, Laub verlieren oder vereinzelt Äste abwerfen. Was wie ein früher Herbst wirkt, ist eine Reaktion auf die anhaltende Trockenheit und Hitze. Die Bäume stehen unter großem Stress und versuchen, ihren Wasserverbrauch auf ein Mindestmaß zu drosseln.
Durch die ausgeprägte Trockenheit ist der Wasservorrat im Waldboden vielerorts erschöpft. Kurze Schauer oder einzelne Gewitter reichen nicht aus, um für ausreichend Wassernachschub zu sorgen. Die oberen Bodenschichten werden dadurch zwar kurz befeuchtet, tiefer liegende Wurzelbereiche bleiben aber häufig trocken. Gleichzeitig steigern hohe Temperaturen, Wind und niedrige Luftfeuchtigkeit die Verdunstung.
„Gerade bei den Buchen sehen wir derzeit deutlich, wie stark sie auf den außergewöhnlichen Wassermangel reagieren“, sagt Christoph Möhrle, Leiter des Forstreviers Leibertingen. „Die frühe Blattverfärbung zeigt, dass die normalen Schutzmechanismen überfordert sind und die Bäume leiden. Durch den fehlenden Wassernachschub kommt es zu Schäden in den Leitungsbahnen und die Blätter der Bäume sterben ab. “
Besonders bedenklich ist, dass geschwächten Bäume anfälliger für Folgeschäden durch Pilze und Schadinsekten werden. Dadurch können einzelne Kronenteile oder ganze Bäume absterben und es erhöht sich die Gefahr, dass Äste abbrechen oder Bäume umstürzen. Verlichtete Kronen, abplatzende Rinde, Risse im Stamm oder Pilzbefall am Stammfuß können Warnzeichen für solche Prozesse sein.
Zur Gesamtsituation ordnet Andreas Schmid, Leiter des Fachbereichs Forst am Landratsamt Sigmaringen, ein: „Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie stark die anhaltende Trockenheit unsere Wälder belastet. Die ausbleibenden Niederschläge bereiten den Försterinnen und Förstern zunehmend Sorge. Wir hoffen sehr auf baldigen Regen und darauf, dass sich eine solch ausgeprägte Trockenperiode in den kommenden Jahren nicht wiederholt. Der Klimawandel macht Wetterszenarien mit anhaltender Trockenheit allerdings immer wahrscheinlicher. Wir nehmen die Beobachtungen ernst, sehen aber derzeit keinen Anlass zur Unruhe. Die Entwicklung verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit, Wälder durch aktives Handeln klimaangepasst zu entwickeln.“
So setzt die Forstverwaltung verstärkt darauf, junge Wälder frühzeitig zu pflegen und den einzelnen Bäumen mehr Platz zu geben, damit sie weniger Konkurrenz um Wasser haben und stabilere Kronen und Wurzeln ausbilden können. Außerdem werden ergänzend Baumarten eingebracht, die mit Trockenheit besser zurechtkommen und so zur Anpassung der Wälder an künftige Klimabedingungen beitragen.
- News der Website