Austausch über den Arbeitsmarkt
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Markus Nill, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen. Seine Agentur setzt sich nach einer Fusion zum 1. Januar dieses Jahres aus den vier Landkreisen Zollernalb, Sigmaringen, Reutlingen und Tübingen zusammen, mit insgesamt 333.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.
Wie Markus Nill berichtete, lag der Arbeitslosenstand im erweiterten Bezirk im Mai 2026 bei 20.857 Menschen. Dem gegenüber standen 5.069 offene Stellen. Die Geschäftsstelle Sigmaringen habe im Jahresvergleich einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um ein Prozent verzeichnet. Von den anzeigepflichtigen Entlassungen im Jahr 2025 waren 464 Beschäftigte betroffen. Begründet wurde dies zumeist mit der schlechten wirtschaftlichen Lage der Firmen: Manche gingen in Insolvenz oder mussten Filialen schließen. Hauptsächlich traf es den Maschinenbau und die Metallbranche. Die Beschäftigung in Kurzarbeit ging zum Ende des vergangenen Jahres von 2537 auf 510 Personen deutlich zurück. Der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit beschrieb die sogenannte Arbeitsmarktdrehscheibe und lobte die Initiative, die Unternehmen, die Personal abbauen, mit Firmen in Kontakt bringt, die dringend Fachkräfte suchen.
Von den arbeitslosen Menschen sind im gesamten Agenturbezirk 28,2 Prozent mindestens 55 Jahre alt. 44 Prozent gingen vor der Arbeitslosigkeit einer Helfertätigkeit nach. Zum Beschäftigungswachstum im Vorjahresvergleich trug 2025 insbesondere die um 2343 gestiegene Zahl der Menschen ausländischer Staatsangehörigkeit bei – aus der Ukraine, dem Westbalkan, den Asylherkunftsländern oder sonstigen Drittstaaten. Dringend gesucht würden Auszubildende, sagte Markus Nill. Demnach lägen im Landkreis Sigmaringen für 1355 offene Ausbildungsplätze in diesem Jahr bisher lediglich 383 Bewerbungen vor.
Das bisherige Bürgergeld wird zum 1. Juli durch das Grundsicherungsgeld ersetzt. Das Sanktionsmanagement dürfte sich mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes jedoch in Grenzen halten, prophezeite Nill. Die 2025 im Monatsschnitt vorgenommene Leistungsminderung habe bei 1,4 Prozent gelegen und dürfte nur eine minimale Steigerung erfahren.
Ausgehend von diesen präsentierten Zahlen entwickelte sich beim Arbeitnehmervertreter-Treffen eine rege Diskussion. Damit wurde einmal mehr deutlich, dass es sich um eine gewinnbringende Veranstaltung handelt, die alle zwei Jahre stattfindet und dem beruflichen Erfahrungsaustausch, der Weiterbildung der Interessenvertretung im Landkreis Sigmaringen und dem regionalen Austausch der Sozialpartnerschaft dient.
Landrätin Stefanie Bürkle und Günter Kessel (links), Personalratsvorsitzender des Landratsamts Sigmaringen, bedanken sich bei Uli Springmann (Zweiter von links), dem stellvertretenden Vorsitzenden des DGB-Kreisverbands Sigmaringen, und bei Markus Nill, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen, für ein interessantes Arbeitnehmervertreter-Treffen.
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