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Einblicke in klösterliche Lebenswelten


Der 27. Band der Editionsreihe „Documenta Suevica“ beinhalt die Chroniken der Dominikanerinnenklöster Ennetach und Sießen, die nun als wissenschaftlich fundierte Edition vorliegen und den Leserinnen und Lesern klösterliche Lebenswelten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert erschließen. Bislang nur als Handschriften in Archiven und Bibliotheken verwahrte historische Zeugnisse zur Regionalgeschichte Oberschwabens werden damit einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Das in den 1270er-Jahren gegründete Dominikanerinnenkloster Ennetach hat mit seiner im 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geführten Klosterchronik eines der interessantesten Zeugnisse des Ordenslebens der Barockzeit in Oberschwaben hinterlassen. Für die historische Forschung ist die Ennetacher Chronik unter sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Gesichtspunkten eine wertvolle Quelle. Sie gibt Einblick in ländliche Sozialstrukturen und die agrarisch geprägte Lebenswelt eines kleinen, landsässigen Klosters, ebenso in die Denk- und Verhaltensweisen der Klosterfrauen.

Besondere Relevanz erhält die Chronik durch die detaillierte und spannende Schilderung des spektakulären Konkursverfahrens, das 1734 gegen das Kloster eingeleitet wurde und landesweit großes Aufsehen erregte. Durch waghalsige Finanzgeschäfte, einen aufwändigen Lebensstil der Priorin und die kostspielige Beschäftigung eines Alchimisten war das Kloster Ennetach in eine ausweglose Verschuldung geraten und wurde schließlich bis auf das ursprüngliche Stiftungsgut zwangsversteigert.

Die Chronik des Dominikanerinnenklosters Sießen, die 1696 begonnen und bis 1828 geführt wurde, stammt aus der Feder wechselnder Beichtväter und reicht zurück bis zur Gründung im 13. Jahrhundert. Im Vordergrund stehen die vielfältigen Beziehungen und vor allem Konflikte des Klosters mit den adligen Orts- und Schirmherren, den Lehensbauern und den dörflichen Nachbarn. Neben klösterlichen Ereignissen eines kontemplativen Ordens spielen die politischen Ereignisse und die Einflussnahme der Schutzherren auf das Kloster eine ebenso große Rolle wie die vielen Kriege mit teils gravierenden Folgen.

Doris Astrid Muth, Mitarbeiterin der Stabsstelle Kultur und Archiv im Landratsamt Sigmaringen, hat die Ennetacher Chronik transkribiert, quellenkritisch kommentiert und mit einer Einführung und einem umfangreichen Anmerkungsapparat versehen. Die fachkundige Bearbeitung der Sießener Chronik übernahm zunächst die Sießener Ordensfrau Sr. Franziska Heller OSF. Nach deren Tod wurde sie vom Heimatforscher und ehemaligen Redakteur Karl Werner Steim fortgeführt. Endredaktion und Indexierung des Bandes erfolgten im Landratsamt Sigmaringen unter Mitwirkung von Vincent Laun, Leiter des Sachgebiets Archiv.

Finanziert wurde der Band durch die Gesellschaft Oberschwaben, den Landkreis Sigmaringen, die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), die Stadt Mengen, das Kloster Sießen und die Kinzelmann-Stiftung Bad Saulgau. Herausgeber ist der ehemalige Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber, Reihenherausgeber ist der vormalige Rottweiler Kreisarchivar Bernhard Rüth. Der Band ist in der Edition Isele erschienen, umfasst 696 Seiten und ist reich mit historischen Aufnahmen illustriert. Erhältlich ist er zum Preis von 30 Euro im Buchhandel. Bei zwei Veranstaltungen im Herbst wird der Band in Sießen und in Ennetach noch näher vorgestellt.

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