Aktuelle Meldung

Soziales

10 Jahre Pflegestützpunkt Landkreis Sigmaringen

Beratung heute wichtiger denn je

4 Mitarbeitende stehen vor dem Pflegestützpunkt in Mengen. Vor dem Stützpunkt sind Aufsteller und eine Infotafel aufgebaut.

Elisabeth Wölke, Claudia Krall, Hans-Peter Oßwald und Laura Stöckler vor dem Pflegestützpunkt des Landkreises Sigmaringen in Mengen

Dabei verbinden und bündeln sie die Beratung über medizinische, pflegerische und soziale Leistungen. „Viele Menschen treten mit dem Wunsch an uns heran, so lange es geht in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Wir möchten dies ermöglichen und bieten umfassende Informationen und Hilfestellung“, fasst Hans-Peter Oßwald zusammen. Er leitet den Fachbereich Soziales, in dem der Pflegestützpunkt angesiedelt ist.

Finanziert wird die Beratung zu zwei Dritteln durch die Kranken- und Pflegekassen und zu einem Drittel durch den Landkreis Sigmaringen als geschäftsführendem Träger.

Auf die Anliegen der Betroffenen wird in der Beratungsstelle individuell eingegangen. Von der ersten Stunde an stehen Claudia Krall und Elisabeth Wölke zur Verfügung, wenn es um die Antragstellung von Pflegeleistungen geht oder Angehörige eine Vorbereitung auf die Begutachtung des Medizinischen Dienstes erfragen. Seit April 2020 verstärkt Laura Stöckler das Team. Sie löste Marga Blumer ab, die sich in Altersteilzeit verabschiedete. Um den komplexen gesetzlichen Fragestellungen gerecht zu werden, absolvieren alle drei Mitarbeiterinnen derzeit eine Ausbildung zur Pflegeberaterin.

Sie werden immer öfter und mit komplexeren Fragen kontaktiert. Auch nach inzwischen 15.000 Beratungsgesprächen sind immer wieder neue Fragen dabei, berichten Wölke und Krall. Über die Jahre erhielten Sie Verstärkung. Anfangs startete man mit 1,2 Vollzeitstellen, heute sind es 2,5.

Bei den telefonischen Beratungszeiten laufen nach einer Corona bedingten ruhigeren Phase derzeit wieder die Drähte heiß. Viele Ratsuchenden nutzten in den letzten 10 Jahren aber auch die Möglichkeit, sich im persönlichen Gespräch im Pflegestützpunkt beraten zu lassen. Bei Personen, denen eine persönliche Beratung in Mengen nicht möglich war, bewährte sich oft das Angebot eines Hausbesuches.

Ein weiterer Aufgabenbereich des Pflegestützpunktes ist die Vernetzung der an der Versorgung beteiligten Akteure. 2012 wurde deshalb auf Anregung des Pflegestützpunktes das Pflegenetzwerk Landkreis Sigmaringen ins Leben gerufen. Der Austausch und Informationsfluss wurde somit zwischen den Trägern und Einrichtungen verstärkt. Aus diesem Netzwerk heraus entstand auch die Idee alle zwei Jahre eine Aktionswoche zu organisieren.

„Wichtige Entwicklungen wie Demenz, neue Wohnformen für Pflegebedürftige oder Sorgende Gemeinden griffen die Netzwerkpartner auf und thematisierten sie auf Landkreisebene“, fasst Hans-Peter Oßwald die Arbeit des Pflegenetzwerks zusammen: „Das Pflegenetzwerk ist heute nicht mehr aus der sozialen Versorgungslandschaft unseres Landkreises wegzudenken.“

Die Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes sind auch nach 10 Jahren Beratungsarbeit von der Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit überzeugt. Die Zahl der Pflegebedürftigen und der pflegenden Angehörigen wird auch in den nächsten Jahren kontinuierlich ansteigen. „Als zentrale Anlaufstelle versuchen wir den Ratsuchenden Halt zu geben und sie zu unterstützen und aufzufangen. Dabei versuchen wir alle Beteiligten im Auge zu behalten, Entlastung anzubieten und einer Überforderung durch die Pflege entgegen zu treten“, erklären die drei Mitarbeiterinnen unisono und ergänzen: „Die sehr positiven Rückmeldungen der Ratsuchenden spiegeln uns täglich wider, dass wir mit diesen Zielen auf dem richtigen Weg sind“.

Der Pflegestützpunkt des Landkreises Sigmaringen befindet sich in Mengen, Hofstraße 12 mit behindertengerechtem Zugang zu den Räumlichkeiten.

Telefonisch erreichbar ist die Beratungsstelle unter 07572-7137-368, -372, -431 oder E-Mail: pflegestuetzpunkt@lrasig.de. Das Büro in Mengen ist Montag bis Donnerstag von 9:30 – 11:30 Uhr und zusätzlich am Donnerstag 16:00 – 17:30 Uhr geöffnet.

Um Terminvereinbarung wird gebeten.


Zusätzliche Informationen und Hintergründe zum Thema Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg

Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz aus dem Jahre 2008 sah erstmals die Einrichtung von Pflegestützpunkten vor. Aufgabe der Pflegestützpunkte ist es, die Auskunfts- und Beratungsangebote der verschiedenen Sozialleistungsträger rund um die Pflege zu verbessern und die Hilfsangebote zu koordinieren. Pflegestützpunkte wurden von den Kranken- und Pflegekassen eingerichtet, wenn die oberste Landesbehörde dies bestimmt hatte. Beteiligten sich auch die kommunalen Alten- und Sozialhilfestelle als Träger an den Pflegestützpunkten, konnte der GKV-Spitzenverband den Aufbau solcher Pflegestützpunkte finanziell fördern.  (Quelle: GKV-Spitzenverband, Pflegestützpunkte, 2020).

Die Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg sind bundesweit einzigartig. Die Pflegestützpunkte sind hier bei den Landkreisen und den kreisfreien Städten angesiedelt und werden zu zwei Dritteln von den Kranken- und Pflegekassen finanziert und zu einem Drittel von den Kommunen. Derzeit existiert in jedem Landkreis mindestens ein Pflegestützpunkt als zentrale Anlaufstelle in denen Pflegebedürftige und ihre Angehörige sowie von Pflegebedürftigkeit bedrohte Menschen zu allen Themen der Pflege Auskünfte und Beratung erhalten. Seit dem 01. Januar 2009 hat zudem jeder Pflegebedürftige einen Anspruch auf kostenlose, unabhängige und neutrale Pflegeberatung durch die gesetzliche Pflegekassen oder die Pflegestützpunkte. Diese Pflegeberatung wird durch einheitliche Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes verbindlich geregelt und zielt darauf ab den Pflegebedürftigen eine umfassende Unterstützung bei der Auswahl und Inanspruchnahme notwendiger Hilfe- und Pflegeleistungen zukommen zu lassen und die erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. (Quelle: GKV-Spitzenverband, Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, 2020).