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Kultur & Archiv

P. Willibrod (Jan) Verkade OSB: Beweinung Christi – 024


Populär wurde das Motiv der den toten Jesus nach der Kreuzabnahme betrauernden Gruppe aus Maria, Johannes, Maria Magdalena, Joseph von Arimathia und Nikodemus und mitunter noch weiteren Frauen in der hoch- und spätmittelalterlichen Gotik mit dem Übergang vom hoheitlichen Christus in Herrscherposition selbst am Kreuz in der Romanik zum leidenden und zum Mitleiden einladenden Gottesknecht und Bruder Jesus. Biblisch eindeutig belegt ist in den Evangelien dabei weder die Beweinung noch das andere in der Gotik im Kontext der Kreuzabnahme populär werdende Andachtsbild: die Pietà oder das Vesperbild der trauernden Muttergottes mit dem auf ihren Knien liegenden toten Jesus.

P. Willibrord (Jan) Verkade OSB: Beweinung Christi, Öl auf Holz, 1907/08, 34,5 x 49 cm
P. Willibrord (Jan) Verkade OSB: Beweinung Christi, Öl auf Holz, 1907/08, 34,5 x 49 cm (Vorlage: Kunstsammlung der Erzabtei Beuron, Vermächtnis Dr. Erich Endrich – Franziska Weidelener)
 
Ich stelle Ihnen eine „Beweinung Christi“ in einer frühen modernen Darstellung des Beuroner Malermönchs P. Willibrord (Jan) Verkade von 1907/08 vor. Der Holländer, dessen malerische Anfänge sich mit der künstlerischen Avantgardegruppe der Nabis Anfang der 1890er Jahre in Paris verbinden, hatte sich auf der Suche nach einer religiösen Vertiefung seines bildnerischen Schaffens nach Beuron gewandt und sich der dortigen Kunstschule mit ihrem Anspruch einer fundamentalen Erneuerung der christlichen Kunst angeschlossen. Mit der formelhaften Betonung des Stilisierens und Statuarischen geriet Verkade mit seiner sinnlich-vitalen Bildsprache indessen alsbald in Konflikt, der letztlich mit seiner Abwendung von der bildenden Kunst und einer zweiten Karriere als religiöser Schriftsteller in Beuron endet. Die „Beweinung Christi“ steht für den eigenen, durchaus individuellen künstlerischen Weg Verkades als Mitglied der internationalen Avantgarde in wachsender Distanz zur zunehmend im Formelhaften erstarrenden Beuroner Kunstschule.
 
Zur Vertiefung des Themas der religiösen Kunst in der Moderne möchte ich Sie auf folgendes Buch aufmerksam machen, das über die Webshops des Buchhandels oder das Kreiskultur- und Archivamt im Landratsamt Sigmaringen (Email: kultur@LRASIG.de) für 19,80 € erhältlich ist:
Andreas Gabelmann und Edwin Ernst Weber: Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert. Moderne und Glauben. Religiöse Kunst. Lindenberg im Allgäu: Kunstverlag Josef Fink 2014.
 
 
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Edwin Ernst Weber
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