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Von offener Spiritualität zu kirchenkonformer Frömmigkeit

Das Chorfrauenstift Inzigkofen im Wandel der Zeiten

Minnegriff Inzigkofen
Abbildung:
Der „Minnegriff“ als Besiegelung der „unio mystica“ zwischen Christus und der von einer jungen Frau symbolisierten menschlichen Seele aus der Inzigkofer klösterlichen Lehrdichtung „Christus und die minnende Seele“ vom Ende des 15. Jahrhunderts (Vorlage: Badische Landesbibliothek Karlsruhe)


Wege der Frömmigkeit im Chorfrauenstift Inzigkofen vom 15. bis ins 17. Jahrhundert“. Der Vortrag wird illustriert von zahlreichen Bildzeugnissen der klösterlichen Frömmigkeit, darunter den entzückenden Miniaturen der klösterlichen Lehrdichtung „Christus und die minnende Seele“ aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert, die den mühsamen Aufstieg der Seele in Gestalt einer jungen Frau im Wechselspiel mit Christus über mehrere Stufen der Entbehrung und Selbstentäußerung bis zur unio mystica schildert. Der Eintritt zum Vorgang ist kostenfrei, Spenden für das Bildungswerk sind willkommen.
 
Das Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen gilt als eine der geistlich und kulturell regsten religiösen Frauengemeinschaften in Oberschwaben durch die Jahrhunderte. Im Spätmittelalter erscheint Inzigkofen als ein Zentrum der schwäbischen Frauenmystik, während im 17. und 18. Jahrhundert der Augustinerinnenkonvent durch eine strenge Klausur, eine ausgeprägte Leistungsfrömmigkeit sowie ein hochstehendes barockes Musikleben und Kunstschaffen auf sich aufmerksam macht. Die in ein weites Beziehungsnetzwerk eingebettete offene Spiritualität des spätmittelalterlichen Reformklosters, die im 15. und 16. Jahrhundert auch für mystische und kurzzeitig sogar für reformatorische Impulse aufnahmebereit ist, wandelt sich im 17. Jahrhundert in eine kirchlich reglementierte, von Abschottung gegen die Außenwelt sowie von strengen Pflicht-  und Leistungsanforderungen geprägte, weithin konforme Frömmigkeit. Der Wandel in den Erscheinungsformen klösterlicher Frömmigkeit vom 15. bis ins 17. Jahrhundert und deren kirchlich-religiösen sowie sozialen Hintergründe stehen im Mittelpunkt des Vortrags.