Aktuelle Meldung

Kultur & Archiv

Vortrag Kreisarchivar Dr. Weber

„Arm gegen Reich“: Soziale Verhältnisse und innerdörfliche Konflikte im 18. Jahrhundert


Ansicht von Herbertingen 1803, dem mit 1150 Einwohnern größten Dorf an der Oberen Donau

Eine besondere Aufmerksamkeit gilt der Gemeinde Herbertingen, die durch eine ausgeprägte „Streitkultur“ in der Geschichte auffällt. Der von der Lilly-Jordans-Stiftung, der Gemeinde Herbertingen und dem Kreiskulturforum veranstaltete Vortrag ist ein Beitrag zum kreisweiten Kulturschwerpunkt „Handwerk und Industrie“. Der Eintritt ist kostenfrei, Spenden sind willkommen.
 
Der Vortrag geht auf die Bevölkerungsentwicklung und die Altersstruktur in den Dörfern an der Oberen Donau in der Frühen Neuzeit ein, weiter auf das Erbrecht mit der vorherrschenden geschlossenen Vererbung und die Grundherrschaft mit ihrer Begünstigung der besitzenden bäuerlichen Oberschicht. Weitere Themen sind die Organisation der bäuerlichen Landwirtschaft zwischen individueller und genossenschaftlicher Feldernutzung, die Viehhaltung mit ihrem vorrangigen Anliegen der Gewinnung von Zugtieren, die polarisierten dörflichen Besitz- und Sozialverhältnisse mit etwa einem Drittel wohlhabender Lehensbauern und einer vielfach in bitterer Armut lebenden unterbäuerlichen Bevölkerungsmehrheit. Angesprochen werden auch die gegenseitige Abhängigkeit von Bauern und Seldnern in der vorindustriellen Landwirtschaft und die Handwerksausübung als Möglichkeit des Zuverdienstes für die Dorfarmen. Am Beispiel von Herbertingen werden die massiven innerdörflichen Konflikte um die Aufteilung der vielfach großen Allmenden im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert vorgestellt. In den Herbertinger Konflikten spielt der Unterammann und Müller Zachäus Fürst eine herausragende Rolle. Im Zwist mit der thurn und taxisschen Obrigkeit droht er dieser 1790 vor dem Hintergrund der beginnenden französischen Revolution schon mal mit einer „Pariser Affaire“, sollte diese sich seinen Forderungen weiterhin verweigern.