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Geschichte des Gebäudes

Eineinhalb Jahrhunderte

Das Gebäude des heutigen Landratsamtes hat eine Tradition von mittlerweile über eineinhalb Jahrhunderten. In dieser Zeit diente das Gebäude zunächst als Landesspital, genannt Fürst-Carl-Landeskrankenhaus, nach seinem Förderer Fürst Carl zu Hohenzollern-Sigmaringen. 1963 ging die Verwaltung der Krankenhausstiftung auf den Landkreis Sigmaringen über und wurde so zum Kreiskrankenhaus. Anfang der 1980er Jahre begannen die Umbauarbeiten zum Landratsamt, das bis heute in diesem Gebäude besteht.

Details zur Geschichte haben wir hier für Sie im Überblick!

Landratsamt Sigmaringen
Landratsamt Sigmaringen

Fürst-Carl-Landeskrankenhaus

Die Anfänge gehen auf das Jahr 1847 zurück, als nach dreijähriger Bauzeit am Mühlberg, auf der dem Schloß gegenüberliegenden Donauseite, das in klassizistischem Stil gehaltene dreigeschossige Landesspital eröffnet wurde. Die Entstehung des Krankenhauses ist in allererster Linie Stiftungen des fürstlichen Hauses Hohenzollern-Sigmaringen und hier zumal des damaligen Erbprinzen und späteren regierenden Fürsten Carl zu verdanken, nach dem das Krankenhaus seit 1857 dann auch benannt wurde: Fürst-Carl-Landesspital bzw. Fürst-Carl-Landeskrankenhaus.

Ausgehend von der mit der Stiftung verknüpften Zweckbestimmung ist das Landesspital bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine multifunktionale Einrichtung: Zum einen und zunächst eher im Hintergrund stehend stationäres Allgemeinkrankenhaus, zum anderen "Landesirrenanstalt", zum dritten Isolierstation für ansteckende Krankheiten und schließlich auch Alten- und Pfründnerheim. Trotz seiner imposanten äußeren Dimensionen kommt das Krankenhaus bis weit in das 20. Jahrhundert hinein mit einem ausgesprochen bescheidenen Personalbestand aus.

1912 sind in der gesamten Anstalt gerade drei Ärzte, 22 Ordensschwestern und einige männliche Krankenpfleger für die Psychiatrie tätig. Zum Vergleich: 1979 werden acht Chefärzte, zehn Oberärzte, 29 Assistenzärzte und mehrere Medizinalpraktikanten gezählt.

Schloß und Landratsamt
Schloß und Landratsamt

Ausweitung des fachärztlichen Dienstes

Hinter dieser enormen Ausweitung des medizinischen Fachpersonals verbirgt sich die tiefreichende Umgestaltung des Landesspitals von einer weitgehend auf die Pflege und Unterbringung von Behinderten, Alten und chronisch Kranken beschränkten Einrichtung mit nur bescheidenen medizinischen und zumal operativen Möglichkeiten zum modernen leistungsfähigen Krankenhaus. 1880 wird die erfolgreiche Amputation eines Oberschenkels noch als besonderes Ereignis erwähnt. 1920 werden am Landesspital bereits 70 Operationen ausgeführt, Ende der 1970er Jahre sind es im Schnitt pro Jahr etwa 3200 operative Eingriffe.

Meilensteine bei der Umgestaltung des Hauses in eine moderne Krankenanstalt sind die Ausweitung des fachärztlichen Dienstes mit der Einrichtung von Fachabteilungen in den 1920/30er Jahren und dann verstärkt nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der grundlegende Aus- und Umbau 1929/30 mit der Einrichtung neuer Operationsräume, eines Röntgenraums, einer Entbindungsabteilung und eines neuen Ambulanzbereichs. Nahezu zeitgleich, 1928/29, werden die allermeisten Pfründner aus dem Landeskrankenhaus in das neuerrichtete Kreisaltenheim in Gammertingen verlegt.

Das mit Sicherheit düsterste Kapitel seiner langen Geschichte erlebte das Sigmaringer Krankenhaus dabei während des Dritten Reiches, als zwischen 1934 und 1942 zunächst mehr als 100 vorgeblich "erbkranke" Männer aus ganz Hohenzollern und angrenzenden Orten im Landeskrankenhaus zwangsweise unfruchtbar gemacht und sodann 1940/41 90 der seinerzeit 213 Patienten der Psychiatrieabteilung als "lebensunwert" in den Tötungsanstalten Grafeneck bei Münsingen und Hadamar bei Limburg ermordet wurden.

Stetige Baustelle

Das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus ist in den 132 Jahren seines Bestehens, bis zur Verlegung des Betriebs in das neuerrichtete Kreiskrankenhaus auf dem Dettinger Berg, eine stetige Baustelle. Die kontinuierlich zunehmende Zahl an Aufgaben, Mitarbeitern und Patienten sowie der rasante medizinisch-technische Wandel zwingen zu einer unaufhörlichen Erweiterung und Modernisierung der Anstalt. Seit den 1850er Jahren vergeht mit Ausnahme der Weltkriegsjahre kein Jahrzehnt ohne die Neuerrichtung oder grundlegende Umgestaltung größerer Baulichkeiten.

Neben bzw. im rückwärtigen Anschluß an das 1847 in Betrieb genommene Hauptgebäude entstehen in den Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg eine Vielzahl von Erweiterungsbauten: Das Josefshaus südlich des Hauptgebäudes, die beiden Baracken St. Anton und Maria Hilf (errichtet als chirurgische Baracke, seit 1931 Kinderabteilung), das backsteinerne Wirtschaftsgebäude mit der 1936 errichteten modernen Heizanlage und schießlich im rückwärtigen Teil des fünf Hektar umfassenden, eingefriedeten Anstaltsgeländes die Psychiatriegebäude St. Johann, Engelsburg, St. Vinzentius und St. Anna sowie die hauseigene Ökonomie und Gärtnerei mit mehreren Bauten. Als letzter Bau kam 1962 am östlichen Rand des Anstaltsgeländes eine bis heute genutzte Krankenpflegeschule mit Schul-, Internats- und Gemeinschaftsräumen hinzu.

Neubau des Kreiskrankenhauses

Trotz dieser stetigen Bautätigkeit genügt die vorhandene Anlage seit den 1950er Jahren den sich rasant wandelnden medizinisch-technischen Anforderungen immer weniger. Bereits seit 1950 wird eine grundlegende bauliche Erweiterung des Krankenhauses diskutiert und werden immer wieder neue Planungen und Kostenkalkulationen angestellt. Die Umsetzung läßt indessen nahezu drei Jahrzehnte auf sich warten, da die krankenhauspolitischen Interessen der drei am Stiftungskrankenhaus beteiligten Instanzen, des Landeskommunalverbandes sowie der beiden hohenzollerischen Landkreise Sigmaringen und Hechingen, nicht auf einen Nenner zu bringen sind.

Nachdem 1963 die Verwaltung der Krankenhausstiftung vom Landeskommunalverband auf den Landkreis Sigmaringen übergegangen ist, bleibt noch über Jahre hinweg der Standort für den nunmehr anstelle einer bloßen Erweiterung der alten Anstalt in Auge gefaßten Neubau strittig. Erst nach teilweise heftigen Kontroversen wird die Errichtung des neuen Krankenhauses auf dem "Dettinger Berg" beschlossen, Baubeginn ist schließlich im Februar 1974. Die feierliche Einweihung des 103 Millionen Mark teuren Neubaus (weitere 10 Millionen Mark kosten die Personalbauten) findet im Februar 1979 statt; gleichzeitig hört der Krankenhausbetrieb nach nahezu 132 Jahren in den Gebäuden des alten Stiftungskrankenhauses auf, das in den folgenden Jahren zum neuen Sitz des Landratsamtes des Landkreises Sigmaringen umgebaut wird.

Aus dem Krankenhaus wird das Landratsamt

Im Februar 1981 faßt der Kreistag den Beschluß zum Umbau des ehemaligen Krankenhauses in ein Landratsamt. Dabei wird der zusammenhängende Komplex des Haupt- und Wirtschaftsgebäudes umgebaut. In den Nebengebäuden "Annahaus" und "Vinzenzhaus" ist die psychiatrische Pflegeabteilung des Krankenhauses bzw. der DRK Kreisverband untergebracht. Die ehemalige Hauskapelle wird in mühevoller Kleinarbeit restauriert und dient fortan als Veranstaltungs- und Sitzungsraum. Die Gesamtkosten des Umbaus betragen rund 14 Millionen DM.

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